Kirche am Standort Klein Chüden

Gefördert durch

Endlich eine Kirche im Dorf!

Die Altmark, der „schöne Norden Sachsen-Anhalts“, rühmt sich, mit über 500 Kirchen die Region Mitteleuropas mit der größten Dichte sakraler Bauwerke zu sein. Etwa die Hälfte davon stammt aus der Romanik – hier ist der Zusammenhang mit der Besiedlungsgeschichte des mittelalterlichen Grenzlandes offensichtlich – es wurden jedoch auch in der Frühen Neuzeit noch Kirchen errichtet, und natürlich ältere Bauwerke erweitert, erneuert oder gänzlich ersetzt. So stellt sich die altmärkische Kirchenlandschaft heute als vielfältiges Nebeneinander der Bauformen vom 12. bis zum 20. Jahrhundert dar, von trutzigen Feldsteinkirchen über nüchterne Fachwerkbauten hin zu historistisch-eklektizistischen „Rübendomen“ und natürlich Bauten der Moderne. Eine Kirche oder Kapelle jedenfalls gehörte und gehört zu einem altmärkischen Dorf, und so war es ein echtes Manko, dass im bereits 1911 begründeten Freilichtmuseum Diesdorf die Kirche bisher fehlte. Umso erfreulicher, dass nun endlich „eine Kirche ins Dorf“ kommt.

Vorgesehen sind Abbau und anschließende Rekonstruktion der Kirche auf der Grundlage eines bauhistorischen Gutachtens und archivalischer Forschungen. Die Umsetzung der Fachwerkkirche wurde ermöglicht durch die Unterstützung mit ca. 178.000 Euro aus dem Förderprogramm „ländliche touristische Infrastruktur“ nach der Richtlinie zur Förderung der regionalen ländlichen Entwicklung des Landes Sachsen-Anhalt in der EU-Förderperiode 2014 bis 2020 (RELE 2014-2020). Die Baukosten belaufen sich insgesamt auf ca. 298.000 Euro.

Die Baugeschichte der 1793 als Ersatz für eine mittelalterliche Vorgängerin erbauten Kirche ist durch Unterlagen des örtlichen Pfarrarchivs und des Landesarchivs in Magdeburg sehr gut dokumentiert. Zudem wurde eine bauhistorische und holzbiologische Untersuchung durchgeführt, deren Ergebnisse sich mit dem archivalischen Befund decken. Die Kirche wurde seinerzeit gegen den Widerstand der lokalen Kirchenbehörden, aber mit direkter Unterstützung des Königs von Preußen auf Initiative der Ortsgemeinde neu errichtet, die dazu ehebliche finanzielle Belastungen auf sich nahm. Wohl nicht zuletzt deshalb wurde der Bau so kostengünstig und einfach als möglich ausgeführt: nüchtern, schlicht, beinahe ärmlich – aber deshalb sicher nicht weniger ein Haus Gottes, ein sakraler Ort für die offenbar sehr fromme Gemeinde.

Ein Turm ist nicht vorhanden; die Kirchenglocke ist außen am Ostgiebel angebracht. Es handelt sich um die 1488 gegossene Glocke des Nachbarortes Jahrsau, der wegen seiner unmittelbaren Grenznähe 1952-61 entsiedelt und 1970 vollständig geschleift wurde. Dadurch wurde die Kirche von Klein Chüden auch zu einem Mahnmal der deutschen Teilung.

Da die Kirche nicht mehr zu Gottesdiensten genutzt werden konnte, wurde sie am 24. März 2019 entwidmet. Der Kirchenkreis Salzwedel hat das Gebäude zur Umsetzung an den Altmarkkreis Salzwedel unentgeltlich übertragen.

Durch die Umsetzung der Kirche aus Klein Chüden wird:

  • die kirchliche Nutzung zu Gottesdiensten und Andachten wieder möglich,
  • das Gebäude als Zeugnis der regionalen Baukultur bewahrt,
  • ihre Funktion als Mahnmal der deutschen Teilung erhalten,
  • das Bauensemble des Freilichtmuseums durch eine „Kirche im Dorf“ abgerundet,
  • das Museum durch ein Alleinstellungsmerkmal unter den nord-ostdeutschen Freilichtmuseen

Die Fertigstellung des Gebäudes wird im Laufe des Jahres 2020 erfolgen.

Die Einrichtung des Kirchenraums bzw. der neuen Dauerausstellung soll 2021 abgeschlossen sein.

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