Sonderausstellungen

Jährlich werden mehrere Sonderausstellungen in unterschiedlichem Umfang aus den Bereichen Kunst und Kulturgeschichte gezeigt. So erhalten die jeweiligen Inhaber des Künstler-Landesstipendiums die Möglichkeit, Ergebnisse ihrer Arbeit zu präsentieren. In einer weiteren Ausstellungsreihe werden regionale Künstlergruppen vorgestellt. Zum Tag des offenen Denkmals sind Kabinettausstellung mit historischen Abbildungen zu sehen. Die jeweiligen Jahreshaupausstellungen widmen sich unterschiedlichen Schwerpunkten der Regionalgeschichte.

Still Life - Nana Hirose und Kazuma Nagatani

In der Ausstellungsreihe StipendiatenArt sind vom 21. April bis 11. Juni 2017 Arbeiten von Nana Hirose und Kazuma Nagatani zu sehen, die im Jahre 2016 mit einem Landesstipendium versehen im Salzwedeler Künstler- und Stipendiatenhaus Salzwedel weilten.

In ihren Arbeiten orientierten sie sich vornehmlich an ihrer Auffassung von Räumen, in denen sie leben und von Szenen und Objekten, denen sie täglich begegnen und denen man oft eigentlich keine besondere Aufmerksamkeit zukommen lässt.

Nana Hirose, geboren im Jahre 1980 in Osaka (Japan) und Kazuma Nagatani, geboren im Jahre 1982 in Hyogo (Japan) hatten von 1999 bis 2005 an der Kyoto Seika University in Japan Kunst studiert und von 2008 bis 2014 an der Kunsthochschule Bremen ein Studium der Freien Kunst absolviert. Seit 2012 erhielten Sie zahlreiche Stipendien. Ihre Arbeiten waren bisher in mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen in Japan und Deutschland zu sehen.

Im Johann-Friedrich-Danneil-Museum wird eine Arbeitsserie »Stillleben« zu sehen sein. Dabei handelt es sich um eine veränderte Landschaft unseres alltäglichen Lebens. Es werden Dutzende von Alltagsgegenständen aus weißem Porzellan platziert. Ein Plastikbecher, eine Fleischwurst, ein Kohlkopf, eine Coca-Cola-Flasche - sämtliche Objekte sind seltsam verformt. Die Künstler haben die Originale in Gips abgeformt und die Gipsformen anschließend mit einer speziellen Porzellanmischung ausgegossen. Die Verformungen sind durch die Hitze im Brennofen entstanden.

The Lord's Vineyard after Lucas Cranach - Chadwick & Spector

Bodypainting, Skulptur und Fotografie

CHADWICK & SPECTOR ist eine Arbeitsgemeinschaft zweier amerikanischer Künstler, die sich in ihrer jüngsten Arbeit auf äußerst ungewöhnliche Weise mit dem Weinbergaltar von Lucas Cranach dem Jüngeren im Salzwedeler Danneil-Museum beschäftigt. Bildmotive der Reformationsmalerei werden auf einen menschlichen Körper übertragen. Hinter dem Kunstnamen „CHADWICK & SPECTOR“ verbergen sich Chadwick Grey und Laura Spector. Beide leben in Houston (Texas) und arbeiten schon seit 1996 zusammen.

In ihrem Langzeitprojekt „Museum anatomie“, in das sich auch das Salzwedeler Vorhaben einreiht, setzen sie sich intensiv mit Gemälden in Museen und Sammlungen auseinander, die sie auf originelle Weise zu neuem Leben erwecken. Meist handelt es sich dabei um verloren gegangene oder beschädigte Bildwerke. Bislang arbeitete das Künstler-Duo mit Kuratoren u.a. aus dem Victoria & Albert Museum London, dem Prado in Madrid, den Nationalgalerien in Prag und Athen und auch dem MuseuMAfricA in Johannesburg zusammen. Die Ursprungsbilder malt dabei Laura Spector als Replik auf den Körper ihres Kollegen Chadwick Grey. Diese temporären künstlerischen Arbeiten werden dann fotografisch abgelichtet und in spektakulären Lichtbildern gezeigt. Dabei wird der Körper von Chadwick Grey Bestandteil der Bildkomposition.

Diese Methodik wendeten die beiden ebenfalls in erweiterter Form für die Beschäftigung mit dem Salzwedeler Weinbergretabel von Lucas Cranach dem Jüngeren an. Hier ist das Original noch vorhanden, es ist unbeschädigt und frisch restauriert. Trotzdem reizte die beiden Texaner dieses Altarwerk in besonderer Weise. Im Sommer 2016 weilten beide Künstler für einige Zeit in der Altmark, im Atelierhaus Hilmsen. In dieser Zeit beschäftigten sie sich in Hilmsen und Salzwedel intensiv mit der Bildwelt des Altarretabels. Es entstand eine plastische Inszenierung in dessen Mittelpunkt die lebensgroßen Bildnisse von Luther und Melanchthon stehen, die wiederum in direkte Beziehung zu den Darstellungen auf der Mitteltafel, zum Weinberg des Herrn, gebracht werden. Hierbei handelt es sich um ihre bislang komplexeste Arbeit, die Fotografie, Skulptur und Malerei in einer Symbiose vereint.

20 Jahre StipendiatenART

Seit dem Jahre 1997 leben und arbeiten Künstler im Salzwedeler Künstler- und Stipendiatenhaus. Die Wohnräume und Ateliers befinden sich heute in einem Fachwerkaus unweit vom Danneil-Museum. Im Jahre 2017 wird das 20jährige Jubiläum dieser Einrichtung feierlich begangen. Das Danneil-Museum zeigt aus diesem Anlass aus der eigenen Sammlung Arbeiten von Stipendiaten, die in diesem Zeitraum entstanden sind.

Zu dieser Sammlung gehören auch Künstlerbücher, Kataloge und andere Veröffentlichungen über die jeweiligen Künstler. Ebenso zeigen Filme, Hörstücke und Audioinstallationen einen Ausschnitt der künstlerischen Schaffenspalette. Einen Sonderbestand stellen die Plakate für die Ausstellungen im Danneil-Museum und Jenny-Marx-Haus dar. Darunter befinden sich auch Unikate, die von den jeweiligen Stipendiaten entworfen und angefertigt worden waren

Bilder vom alten Salzwedel

In der Fotosammlung des Johann-Friedrich-Danneil-Museums befindet sich ein kleines Konvolut mit Fotografien der Freizeitfotografen Marianne und Walther Sudhoff. Die Aufnahmen entstanden in den 1920er und 1930er Jahren und waren 1932 bzw. 1949/ 1950 vom Museum übernommen worden. Zu diesen Bildern gehören Landschaftsabbildungen, Architekturaufnahmen aus dem Stadtgebiet von Salzwedel und eine Reihe von Detailaufnahmen von Kunstschätzen aus Salzwedeler Kirchen und auch Ablichtungen von Großsteingräbern.

Walther Sudhoff, von 1924-1946 Chefarzt am Salzwedeler Kreiskrankenhaus, hatte als ambitionierter Freizeitfotograf sich intensiv mit der Fotografie beschäftigt. Eine umfangreiche, großformatige Mappe mit Aufnahmen von Großsteingräbern aus dem Kreis Salzwedel verrät die historischen Ambitionen des Fotografen. Die Ergebnisse seiner fotografischen Beschäftigung mit diesem Thema veröffentlichte Sudhoff 1932 auch in einem kleinen Beitrag in einer Jubiläumsschrift. Marianne Sudhoff nahm ebenfalls an mehreren nationalen Verbandsausstellungen teil. Darauf verweist eine Reihe von Rückseitenaufklebern auf den Unterlagekartons der Fotografien, so u. a. Verbandsausstellungen in Nürnberg (1930), in Hamburg (1931) und in Berlin (1932). Sie beschäftigte sich mit malerischen, teilweise stilllebenhaften Motiven und Detailaufnahmen.

Weinberg - Wildschwein - Lutherbild

In den Auseinandersetzungen der Reformationszeit ist Martin Luther in der Bannandrohungsbulle des Papstes Leo X. als Wildschwein bezeichnet worden, das den Weinberg des Herrn verwüstete. Lucas Cranach d. J. setzte diesem sprachlichen Bild seine malerische Interpretation des Weinberges auf der Mitteltafel eines Altarretabels in Salzwedel entgegen.

Der Weinbergaltar von Lucas Cranach dem Jüngeren ist ein bildhaftes Zeugnis der Reformationszeit. Mit seiner symbolhaften Gegenüberstellung von Papstkirche und Luthertum widerspiegelt er den damaligen Kampf um die Erneuerung von Kirche und Gesellschaft. In der Weinbergdarstellung sind mehrere Reformatoren-Porträts zu finden. Neben Martin Luther und Phillip Melanchthon ist hier u. a. auch der norddeutsche Reformator Bugenhagen porträtiert. Darüber hinaus werden reale Tätigkeiten und auch Werkzeuge der Weinbergarbeiter dargestellt. Auf der Mitteltafel, den Seitenflügeln und den Bildaufsätzen gibt es eine Reihe von interessanten Detaildarstellungen, die nicht immer auf den ersten Blick bzw. nur aus der Nähe zu erkennen sind. Dazu gehören Landschaftsdarstellungen, Stadt- und Dorfansichten aber auch Alltagsobjekte und kleine Miniaturszenen.

Die Ausstellung vermittelt interessante Einblicke in die Bilderwelt des Altarretabels. Zu den Bildmotiven werden Vergleichsdarstellungen und reale Objekte aus der Alltagswelt in Beziehung gesetzt. Neben Originalfunden aus dem 16. Jahrhundert sind auch Repliken zu sehen, die von den Besuchern angefasst und in die Hand genommen werden können.

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