Rundgang im Danneil-Museum Salzwedel

Das Danneil-Museum präsentiert in 16 Ausstellungsbereichen vielfältige Exponate und Inszenierungen, die interessante Einblicke in die Geschichte der westlichen Altmark von der Ur- und Frühgeschichte bis zum Ende des 20. Jahrhunderts vermitteln. Die Stadtgeschichte von Salzwedel, mit ihrem Markenzeichen dem Baumkuchen, ist ebenso präsent, wie die Spuren der frühen Besiedlung der Altmark mit ihrer reichen Kulturgeschichte, die bei archäologischen Grabungen geborgen wurden.

Propstei Salzwedel und die Familie von der Schulenburg

Propstei Salzwedel und die Familie von der Schulenburg

... an der Marienkirche, der seit dem 16. Jahrhundert bis zum Jahre 1928 im Besitz des altmärkischen Adelsgeschlechtes von der Schulenburg war. 1578 hatte Albrecht IV. von der Schulenburg, Sohn des letzten Propstes vor der Reformation, Levin I. von der Schulenburg, das heutige Museumsgebäude errichten lassen. Das Fachwerkgebäude mit dem markanten Treppenturm erfuhr mehrere Umbauten und Veränderungen. Zum Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts war die Propstei Sitz des Salzwedeler Landrates von der Schulenburg.

Johann Friedrich Danneil

Johann Friedrich Danneil

... studierte nach dem Schulbesuch in Salzwedel Theologie an den Franckeschen Stiftungen in Halle. 1804 kam er als Lehrer an das spätere Salzwedeler Gymnasium. Als dessen Rektor leitete er seit 1819 grundlegende pädagogische Reformen ein. Daneben verfolgte er zahlreiche wissenschaftliche Projekte. Zu seinen wichtigsten Werken gehören u.a. ein Standardwerk zur Kirchengeschichte Salzwedels, das zweibändiges Werk „Das Geschlecht von der Schulenburg“ sowie das „Wörterbuch der altmärkisch-plattdeutschen Mundart". Besonderen Nachruhm erwarb sich Danneil zudem durch seine archäologischen Forschungen. Er gilt als Mitbegründer des 3-Perioden-Systems der Ur- und Frühgeschichte mit der Abfolge von Stein-, Bronze- und Eisenzeit.

Der Altmärkische Geschichtsverein

Der Altmärkische Geschichtsverein

... Erkenntnisse zu veröffentlichen, wurde 1836 in Salzwedel der „Altmärkische Verein für vaterländische Geschichte und Industrie" gegründet. Zu Forschungszwecken wurden verschiedene Sammlungen historischer Objekte angelegt und ständig erweitert. In den Jahresberichten des Vereins erschienen wissenschaftliche Beiträge. Da der Verein 1945 in der SBZ/DDR nicht mehr zugelassen wurde, setzte die 1956 in Berlin (West) gegründete „Arbeitsgemeinschaft des Altmärkischen Geschichtsvereins" dessen Tradition fort. Seit 1992 ist der Verein wieder in Salzwedel ansässig und tätig.

HanseStadt und AltmarkLandschaft

HanseStadt und AltmarkLandschaft

... und wird deshalb gern als „Wiege“ Brandenburg-Preußens bezeichnet. Im 14. Jahrhundert wurde die Region erstmals als „Alte Mark“ (Antiqua Marchia) bezeichnet. Die Handelswege der Hanse durchzogen in dieser Zeit die Altmark und verbanden die altmärkischen Hansestädte Gardelegen, Osterburg, Seehausen, Stendal, Tangermünde, Werben und Salzwedel mit den Handelsmetropolen Europas. Salzwedel, an einem Verkehrsknotenpunkt als Burgsiedlung entstanden, stieg im Mittelalter zu einer überregional bedeutenden Fernhändlerstadt auf. Nach dem 16. Jahrhundert blieb sie ein regional bedeutsames Wirtschafts- und Verwaltungszentrum.

Burgen, Siedlungen, Städte

Burgen, Siedlungen, Städte

Viele der romanischen Feldsteinkirchen, die noch heute das Bild der Dörfer prägen, entstammen dieser Zeit, ebenso die bedeutenden romanischen Klosteranlagen in Arendsee und Diesdorf. Im Schutze von Burganlagen ließen sich Handwerker und Kaufleute nieder, wurden Kirchen errichtet, und wuchsen schließlich Städte empor. Über diese Frühzeit der Städte ist leider recht wenig bekannt, oft sind nur wenige Urkunden vorhanden. Erkenntnisse der Stadtarchäologie können diese schriftlichen Hinweise ergänzen. Auch die Stadt Salzwedel ist ein Beispiel für die Entstehung einer Stadt aus einer Burgsiedlung heraus, deren vermutliche Anfänge im 11./ 12. Jahrhundert liegen.

Hanse, Handel, Wege

Hanse, Handel, Wege

Um 1250 entwickelte sich daraus ein mächtiger Städtebund, dem auch die altmärkischen Städte Gardelegen, Osterburg, Seehausen, Stendal, Tangermünde, Werben und Salzwedel angehörten. Durch Fernhandelswege mit den Seestädten verbunden, waren sie im Spätmittelalter zu wohlhabenden und selbstbewussten Handelsstädten aufgestiegen. Im „Altmärkischen Städtebund“ zusammengeschlossen, traten sie auf den Hansetagen als machtvolle Einheit auf. Nach blutigen Auseinandersetzungen um eine vom Kurfürsten geforderte Biersteuer 1488 mussten sie jedoch aus der Hanse und anderen Bündnissen ausscheiden. Einzig Stendal und Salzwedel blieben noch bis 1518 Mitglieder der Hanse.

Alltag der Hansezeit

Alltag der Hansezeit

Überliefert sind aus dieser Epoche vor allem Gebrauchsgegenstände aus Keramik bzw. deren Fragmente, die meist bei archäologischen Ausgrabungen bzw. eher zufällig bei Bauarbeiten gefunden wurden. Über den Alltag der Hansezeit lassen sich zudem aus Urkunden, bei denen es um Besitzverhältnisse und Einkünfte geht, oder auch aus erhaltenen Stadtbüchern Rückschlüsse ziehen. Von der mittelalterlichen Wohnbebauung in der Stadt Salzwedel sind außer archäologischen Befunden kaum noch sichtbare Reste vorhanden. Nur die Repräsentationsbauten dieser Zeit, wie die Kirchen und Teile der Stadtbefestigungsanlagen, sind in größerem Umfang erhalten. Zu großen Teilen erhalten bzw. wiederhergestellt ist die Stadtmauer von Salzwedel; sie verläuft direkt am Museumsgebäude entlang.

Kunst der Hansezeit

Kunst der Hansezeit

Sie veranschaulichten den Kirchgängern anhand der Darstellung biblischer Geschichten und Personen wesentliche Elemente der Glaubensvorstellungen. Zudem erforderte der kirchliche Ritus eine Reihe von Gegenständen, die für die verschiedenen Zeremonien von Bedeutung waren. In den zahlreichen mittelalterlichen Kirchen, Klöstern und Kapellen der Altmark findet man noch heute Meisterwerke der Bildhauerei, der Malerei und des Kunsthandwerks. Ein Teil dieser Schätze wird seit dem 19. Jahrhundert auch im Danneil-Museum aufbewahrt, darunter die berühmte „Salzwedeler Madonna“, eine einzigartige Sitzmadonna aus der Übergangsphase der Romanik zur Gotik.

Reformation und Bürgertum

Reformation und Bürgertum

Sie brachte gravierende Veränderungen in Kirche und Gesellschaft, die sich auf alle Lebensbereiche ausdehnten. Träger der Reformation war neben dem Landesherren vor allem ein erstarktes Bürgertum, das selbstbewusst Einfluss auf Politik, Religion und Bildung nahm. In Salzwedel wurden in jener Zeit nicht nur mehrere Familienstiftungen begründet, die Ausbildung und Studium der Bürgersöhne fördern sollten, wohlhabende Bürger traten auch als Stifter von Kunstwerken in den Kirchen auf. So entstand auch der berühmte „Weinbergaltar“ von Lucas Cranach d.J. aus dem Jahre 1582 im Auftrag Salzwedeler Bürger. Er gehört zu den bedeutenden Reformationsaltären der Malerwerkstatt Cranach.

Burgen, Schlösser, Herrenhäuser

Burgen, Schlösser, Herrenhäuser

Die Geschichte der Altmark ist eng mit den hier ansässigen und begüterten Adelsgeschlechtern verknüpft. Angehörige dieser Familien bekleideten bis ins 20. Jahrhundert wichtige Positionen in der Verwaltung, dienten als Offiziere oder hatten hohe Kirchenämter inne. Ihre Schlösser, Herrensitze und Gutshäuser prägten vielfach das Gesicht der Dörfer und Städte. Zur Ausstattung der Häuser gehörten über Generationen angesammelte Bestände an Möbeln, Waffen, Büchern und Kunstwerken. Die Porträts der Ahnengalerien bezeugten die historische Kontinuität, die nach dem Zweiten Weltkrieg ein gewaltsames Ende fand. Durch die Überführung ins Museum blieb das enteignete Inventar zum Teil erhalten und konnte nach 1990 an die Familien zurückgegeben werden.

Handwerk, Zinn und Zünfte

Handwerk, Zinn und Zünfte

Die Zünfte, Gilden oder Innungen, in denen die einzelnen Gewerke organisiert waren, übten die Oberaufsicht über die Handwerker aus und nahmen Kontroll- und Regulierungsfunktionen wahr. Hierzu gehörte auch eine strenge Qualitätskontrolle. So findet man bei den Produkten der Zinngießer neben der Marke des herstellenden Meisters oft auch weitere sogenannte Beschauzeichen mit dem Wappen der Stadt Salzwedel, die als eine Art Gütesiegel in das fertige Produkt eingeschlagen wurden. Aus Zinn wurde vor allem gehobenes Gebrauchsgerät gefertigt, wie Teller, Becher, Pokale, auch Lampen und Leuchter. Das sogenannte „Zunftzinn“ war sowohl Gebrauchsgegenstand als auch Repräsentationsgeschirr und wurde bei zünftischen Ritualen verwendet.

Bier und Baumkuchen

Bier und Baumkuchen

Schon um 1807 stellten die Konditorfamilien Lentz und Schernikow dieses besondere Gebäck her. Die intensive Vermarktung durch die Salzwedeler Firma Schernikow/ Kruse zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts verlieh Salzwedel den bis heute klingenden Ruf als „Baumkuchenstadt“. Im 19. Jahrhundert entstanden in Salzwedel auch große Brauereibetriebe mit Niederlagen in anderen Städten. Hierzu gehörte etwa die 1865 begründete Brauerei Hermann Freydank, seit 1897 Bergschloss-Brauerei. Im Unterschied zu den Baumkuchenbäckereien konnte sich die Brauerei nach der Reprivatisierung 1990 nicht erfolgreich behaupten und wurde 1997 abgerissen.

Kaiser, Führer und Genossen

Kaiser, Führer und Genossen

Die Industrialisierung erfasste spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch Salzwedel, das seit 1870 an das Eisenbahnnetz angeschlossen war. Industriebetriebe erweiterten ihre Produktion und an den Stadträndern entstanden neue Siedlungsgebiete. Salzwedel festigte seine Stellung als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum in einem ländlich geprägten Umfeld. Mit der Förderung und Verwertung von Erdgas kam in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein weiterer regional bedeutsamer Wirtschaftszweig hinzu. Das 20. Jahrhundert brachte jedoch auch gravierende ökonomische Brüche und den mehrfachen Wechsel der politischen Systeme, zuletzt durch die friedliche Wende 1989/90.

Zwischen Abschlag und Scheibenfibel

Zwischen Abschlag und Scheibenfibel | Die Ur- und Frühgeschichte in der westlichen Altmark

... mit den jeweils zugeordneten regionalen Funden den Zusammenhang von Weltgeschichte und regionaler Geschichte. Die verwendeten Grundfarben entsprechen den gültigen Vorgaben der Landesämter zur farblichen Kennzeichnung der unterschiedlichen Perioden, die z.T. auch auf den Erkenntnissen Johann Friedrich Danneils beruhen.

Brand- und Körperbestattung

Zwischen Brand- und Körperbestattung | Die Bestattungssitten in Mitteleuropa

Von Einzelbestattungen bis zur Anlage von ganzen Gräberfeldern, die Beerdigung des Toten als sogenannte Körperbestattung oder die Brandbestattung, bei der die Verbrennungsrückstände des Leichnams meist in Urnen beigesetzt wurden. Die Bestattungszeremonien waren zumeist mit kultischen Handlungen zu Ehren der Verstorbenen verbunden. Oft spielte dabei auch die Angst vor deren Wiederkehr eine Rolle. Den Toten wurden häufig "Beigaben", in Form von Ausrüstungsgegenständen, Schmuck oder "Wegzehrung" mitgegeben.

Vorratsgefäße, Kochtöpfe und Urnen - Die Keramik

Vorratsgefäße, Kochtöpfe und Urnen - Die Keramik

Die Gefäße wurden zum Kochen oder zum Aufbewahren der Vorräte benötigt. Man benutzte sie aber auch bei der Bestattung. Entweder dienten sie als Beigabengefäß oder, bei der Feuerbestattung, als Urne. Häufig verwendete man dabei ganz normale Gebrauchskeramik. Da in der Altmark bisher vorwiegend Gräberfelder ausgegraben wurden, stammt der überwiegende Teil der Keramik aus Gräbern. Siedlungskeramik wird zum größten Teil nur zerscherbt und unvollständig geborgen.

Das Siedlungswesen

Vom Zelt zum Haus - Das Siedlungswesen

Das änderte sich im Neolithikum entscheidend. Man wurde sesshaft. Seit dem Beginn der Jungsteinzeit baute man Getreide und andere Feldfrüchte an. Die Vorratswirtschaft setzte ein und damit auch die Viehzucht. Die ersten Häuser bauten die „Bandkeramiker", sie errichteten über 40 m lange Wohnstallhäuser. Neben den großen Pfostenbauten gab es auch kleine Hütten und Speicher. Mehrere Familien eines Stammes gründeten ihre Dörfer immer im Uferbereich von Gewässern. Außer den offenen Freilandsiedlungen wurden für kriegerische Zeiten auch Plätze in exponierter Lage befestigt. Bei Gefahr konnte man sich dorthin zurückziehen.

Vom Stein zum Eisen - Werkzeuge und Waffen

Vom Stein zum Eisen - Werkzeuge und Waffen

... schon im Jungpaläolithikum Fernwaffen verwendet. Zur Holzbearbeitung entstanden später geschliffene Beile und Meißel aus Feuerstein. Des Weiteren wurden Hacken zur Bodenbearbeitung, sowie durchbohrte Hämmer und Äxte aus Geröllsteinen angefertigt. Daneben verwendete man noch immer Klingen, Stichel, Bohrer aus Feuerstein sowie Nadeln und Pfrieme aus Knochen oder Geweih. In der Bronzezeit wurden neue Werkzeuge, Waffen und Geräte erfunden, darunter auch das Schwert. Durch die „Erfindung" des Eisens kamen neue Gebrauchsmöglichkeiten dazu. Die Geräte hatten, nachdem die Eisentechnologie ausgereift war, bedeutend bessere Gebrauchseigenschaften als ihre Vorgänger.

Schon seit der Altsteinzeit getragen - Der Schmuck

Schon seit der Altsteinzeit getragen - Der Schmuck

Dasselbe tat man mit Bernstein, Schnecken, Knochenstücken, Krallen oder Zähnen. Besonders in der Bronzezeit trieb der Wunsch sich zu schmücken eigenartige Blüten. Zu wichtigen Anlässen wurden neben schweren Fuß- und Armringen teilweise riesige Fibeln aus Bronze getragen. Seit der Eisenzeit wurde sogar aus Eisen Schmuck angefertigt. Während der römischen Kaiserzeit führte man Schmuck aus dem Imperium ein, neben verschieden Glasperlen und Fibeln handelte es sich dabei auch um Scheibenfibeln, die mit buntem Glasfluss (Email) verziert waren.

Von der Tierhaut zum Stoff - Die Bekleidung

Von der Tierhaut zum Stoff - Die Bekleidung

Aus dieser Zeit sind bereits Knochenpfrieme und Knebel, die Urform des Knopfes, sowie Knochennadeln mit Öhr bekannt. Auch Schuhe aus Leder wurden schon getragen. Seit dem frühen Neolithikum wurden Lein (Flachs) und Hanf als Rohmaterial für gewebte Stoffe angebaut. Diese ließen sich mit verschiedenen Naturfarben färben. Neben den Pflanzenfasern nutzte man, vorrangig seit der Bronzezeit, auch die Wolle der Schafe und anderer Tiere. Die Bekleidung war schon seit frühester Zeit wechselnden Moden unterworfen, wobei anfangs die Funktionalität im Vordergrund stehen musste. Neben der Alltagskleidung, die teilweise bis zum Zerfall getragen und geflickt wurde, trug man zu festlichen Anlässen, wenn man es sich leisten konnte, immer auch eine besonders wertvolle Festtagstracht.

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