Ausstellungsarchiv 2015

Wolfgang Bierstedt - Herbst

Kompliment

Kompliment ist der Startpunkt einer von Ina Bierstedt konzipierten Ausstellungsreihe. Etliche Werke der Malerei: Landschaften, Portraits, sowie druckgrafische Serien von Wolfgang Bierstedt (1936-1983) treffen hier auf den künstlerischen Kommentar von Ina Bierstedt (geb. 1965).

KOMPLIMENT
Ein Kompliment ist im positivsten Sinne des Wortes eine Würdigung. Es richtet sich – direkt oder vermittelt - an ein Gegenüber und zeugt von Aufmerksamkeit und Respekt. Mit dieser Haltung hat sich die Berliner Künstlerin Ina Bierstedt dem Nachlass ihres Vaters Wolfgang Bierstedt genähert. Ihr Zugang ist dabei ein künstlerischer und vollzieht sich im Medium der Malerei. Der Maler, Zeichner und Grafiker Wolfgang Bierstedt (1936-1983) hat sein Leben weitgehend in Beetzendorf bei Salzwedel verbracht. Von einer kurzen Studienzeit 1963/64 bei Fritz Dähn an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee abgesehen war er Autodidakt. Neben seiner freien künstlerischen Arbeit restaurierte er Kirchen; der Erhalt einer ganzen Reihe von Kirchen in und um Salzwedel ist unter anderem ihm zu verdanken.

Wolfgang Bierstedt hat jenseits des offiziellen Kulturbetriebs in der DDR gearbeitet. Die Motive seiner Malerei sind zumeist dem unmittelbaren Umfeld entnommen: Portraits, Selbstportraits und vor allem zahlreiche Landschaften, die in der Tradition der europäischen Moderne um 1900 stehen. Neben der Malerei war der Holzschnitt für Wolfgang Bierstedt ein wichtiges Medium. Hier machte sich seine Suche nach humanistischen Idealen an einzelnen Persönlichkeiten bzw. Figuren fest, beispielsweise an Roman Rollands Romanfigur Johann Christoph, an Albert Schweitzer oder an Martin Luther. Sie alle waren für Wolfgang Bierstedt identitätsstiftende Vorbilder, und ihr Denken und Handeln wollte er in der DDR der 50er und 60er Jahre auf eine aus heutiger Sicht etwas didaktische Weise vermitteln, um der ideologisch Durchtränktsein von Leben und Kunst entgegenzutreten.

Ina Bierstedt - BergrückenIna Bierstedt legt bei ihren Arbeiten der Ausstellung eine intensive Auseinandersetzung mit dem Werk ihres Vaters zugrunde. Insofern erinnert sie an ihren Vater. Erinnerung aber umfasst weit mehr als das Abrufen manifester Gedächtnisinhalte - hierin stimmen Sozial- und Kulturwissenschaften seit langem überein.

Erinnerung ist vielmehr, so der Kunstwissenschaftler Gottfried Boehm, der bildkünstlerischen Arbeit und dem Sehen unmittelbar eingeschrieben. So geht es Ina Bierstedt auch weniger um ein Wiederbeleben der Arbeiten ihres Vaters, als um neue künstlerische Formen des Erinnerns. „Die Lichtverhältnisse waren besser, als das Foto vermuten lässt“ kommentierte Wolfgang Bierstedt die Ansicht einer seiner Ausstellungen. Ina Bierstedt greift das Foto und den Kommentar auf, um das Licht zum Thema zu machen, nennt ihr Bild „Lichtverhältnisse“. Es geht hier nicht mehr um die im Foto dokumentierte Situation, sondern um die Bedingungen der Wahrnehmung einer dokumentierten Ausstellung von Wolfgang Bierstedt, die Ina Bierstedt aus ihrer heutigen künstlerischen Sich reflektiert. Die Ausstellung Kompliment im Salzwedeler Danneil-Museum versteht sich als Auftakt einer Ausstellungsreihe unter dem Titel „Verspiegelte Fenster“, die an verschiedenen Orten stattfinden und auch weitere Künstlerinnen und Künstler einbeziehen wird.
Dr. Claudia Beelitz, 2015

Abbildungen:
Wolfgang Bierstedt, "Herbst", 1967, Öl auf Pappe, 40 x 48 cm
Ina Bierstedt, "Bergrücken", 2012, Acryl und Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm

Bilder vom alten Salzwedel

Bilder vom alten Salzwedel

Bilder vom alten SalzwedelIn der Fotografie-Sammlung des Danneil-Museums befindet sich eine Reihe historischer Papier-Abzüge aus den 1920er und 1930er Jahren, die mit einem Prägestempel der Staatlichen Bildstelle Berlin versehen sind. Diese Fotografien zeigen herausragende Architekturdenkmäler der Stadt Salzwedel und dokumentieren detailliert auch vielfältige Sichten der Innenräume der Kirchen mit ihren bedeutenden Ausstattungsstücken. Darüber hinaus lassen sich auf den alten Aufnahmen auf Baryt-Papier zahlreiche interessante Details aus der Alltagswelt der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts entdecken.

Die Staatliche Bildstelle Berlin war ein bedeutendes Fotoarchiv zur Architektur- und Kunstgeschichte Deutschlands. Die Bildstelle ging im Jahre 1921 aus seiner Vorgängereinrichtung, der Königlich-Preußischen Meßbildanstalt, hervor. Heute werden die Original-Negative im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege aufbewahrt und sind dort nutzbar.

In der kleinen Kabinettausstellung im Danneil-Museum, die traditionell zum Tag des offenen Denkmals gezeigt wird, sind 15 ausgewählte Originalabzüge aus der Entstehungszeit der Aufnahmen zu sehen. Dazu gehören u.a die Propstei, die Gaststätten „Stadt Magdeburg“ und „Deutscher Hof“, wie auch das historische Neuperver Tor. Eine Aufnahme durch die damalige Lorenzstraße zeigt neben der Marienkirche auch das ehemalige barocke Palais der heutigen Musikschule, vor den großen Umbaumaßnahmen von 1933/1934 in seinem Ursprungszustand.

Eine elektronische Bilderschau verdeutlicht darüber hinaus in einer Vielzahl von Detailaufnahmen, wie akribisch die Fotografen u.a. das Innere der Kirchen in einer Reihe von verschiedenen Blickwinkeln abgelichtet haben.

Abbildungen:
Neuperver Tor, Stadtseite
Innenraum der Marienkirche mit Taufbecken und Orgel

Waldemar Nottbohm zeichnet vor Ort

Waldemar Nottbohm zeichnet vor Ort

Arbeiten aus dem Projekt „Reiseskizzen aus dem Ostfälischen“

Waldemar Nottbohm zeichnet vor OrtDer im Wendland bei Hitzacker lebende und arbeitende Bildhauer Waldemar Nottbohm ist in mehreren Kunstsparten zu Hause. Neben seinen plastischen Arbeiten hat er in den letzten Jahren mit einem interessanten Zeichnungsprojekt auf sich aufmerksam gemacht. In enger Verbindung von Kunstbetrachtung und Geschichtsinteresse widmete er sich in seinen Reiseskizzen der historischen Landschaft Ostfalen und deren Kirchen.

Auf einer Reihe von Exkursionen, hauptsächlich in den Winterhalbjahren von 2009 bis 2013, entstanden über 1000 Zeichnungen vor Ort. Diese spartanischen auf das wesentliche beschränkten Zeichnungen zeigen ein vielfältiges Bild der Kirchenlandschaften zwischen Elbe, Lüneburger Heide und Harz. Für die Dokumentation seines umfassenden Zeichnungsbestandes strukturierte Waldemar Nottbohm diese in 12 Unterregionen. In der Salzwedeler Ausstellung ist eine Auswahl von Arbeiten zu sehen, die auf dem Gebiet des Altmarkkreises Salzwedel entstanden.

Abbildungen:
Kirche Vissum
Kirche Ritzleben

Katja Blum und Anna Eiber

Katja Blum und Anna Eiber

Im Jahre 2014 erhielten die bildenden Künstlerinnen Katja Blum aus Bremen und Anna Eiber aus Köln ein Landesstipendium im Salzwedler Künstler- und Stipendiatenhaus.

Katja Blum und Anna EiberKatja Blum, geboren im Jahre 1969 in Dortmund, hatte von 1990 bis 1996 an der Fachhochschule Dortmund Architektur studiert und von 1998 bis 2002 an der Kunsthochschule Ottersberg ein Studium der Freien Kunst absolviert. Seit 2005 waren ihre Arbeiten in mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Katja Blum weilte von April bis Juni 2014 in Salzwedel. Ihre Arbeitsweise orientiert sich am Vorgefundenen, an Strukturen von gebauter Landschaft, an den Volumenkörpern von Architektur. Gleichzeitig nutzt sie die Mittel der Kartografie, ebenfalls eine Abstraktion von realer Landschaft, um beide Ebenen, Architektur und Kartografie, neu zu verbinden und zu neuen Formen zu vereinen.

Anna Eiber wurde 1979 in der baden-württembergischen Stadt Schorndorf geboren und lebt heute in Köln. Sie absolvierte ursprünglich eine Ausbildung als Steinbildhauerin und arbeitete dann im Bildhauer- Restaurierungshandwerk. Von 2002 bis 2009 studierte sie an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und schloss mit einem Diplom der bildenden Künste ab. Anna Eiber lebte und arbeitete als Landestipendiatin von Oktober bis Dezember 2014 in Salzwedel. In dieser Zeit entstanden mehrere großformatige Leinwandobjekte und eine Reihe von Holzschnitten. Die Künstlerin hatte u.a. im öffentlichen Raum Leinwände ausgelegt, damit die Fußspuren von Passanten konserviert und die Leinwände dann als Malgründe für Bildmontagen benutzt.

Abb. 1 Anna Eiber
Abb. 2 Katja Blum

Ein altmärkischer Bronzeschatz aus der Zeit der Himmelsscheibe von Nebra

Ein altmärkischer Bronzeschatz aus der Zeit der Himmelsscheibe von Nebra

Etwa 3600 Jahre alt ist der sogenannte Hortfund von Kläden, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Kläden bei Stendal entdeckt wurde. Heute besteht der Fund noch aus 13 Bronzegegenständen, von denen 11 Stücke zum Bestand des Johann-Friedrich–Danneil-Museums gehören, zwei befinden sich in den Sammlungen der Berliner Museen.

Interessant sind die Geräte, da einige von ihnen ziemlich einmalig sind, ein Beiltyp wird sogar noch heute nach seinem ersten Fundort als „Typ Kläden“ bezeichnet. Zudem stammen sie aus der heutigen Schweiz und hatten bereits einen sehr weiten Weg hinter sich, bevor sie in der Altmark einem toten Häuptling ins Grab gelegt wurden. Das geschah etwa zur gleichen Zeit als auf dem Mittelberg bei Nebra die sogenannte „Himmelsscheibe“ vergraben wurde. Sowohl die Himmelsscheibe als auch der Klädener Bronzehort werden heute der sogenannten Aunjetitzer Kultur zugeordnet und sind einem mächtigen frühbronzezeitlichen Kulturkreis zuzurechnen.

Die Originale des Klädener Hortfundes sind heute als Leihgabe des J.-F.-Danneil-Museums und der Berliner Museen in der Dauerausstellung des Landesmuseums in Halle zu bewundern. In der Hauptfiliale der Sparkasse Altmark/ West in Salzwedel werden ab dem 30.01. 2015 originalgetreue Nachbildungen der Stücke zu sehen sein.

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