Ausstellungsarchiv 2013

Konrad Tucholski

Konrad Tucholski (1913-2003)

Am 11. November 2013 wäre der Salzwedeler Künstler Konrad Tucholski 100 Jahre alt geworden. Er verstarb im April 2003. Aus Anlass der 100. Wiederkehr seines Geburtstages veranstaltet das Danneil-Museum eine Ausstellung mit Arbeiten aus seinem Nachlass. Die Vorbereitung und Organisation der Ausstellung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Familie des Künstlers.
Konrad Tucholski wurde am 11. November 1913 in Marienwerder an der Weichsel (Westpreußen) geboren. Er meldete sich 1934 in Salzwedel zur Reichswehr. Nach Kriegsende und französischer Gefangenschaft kehrte er 1947 hierher zurück, wo er dann bis zu seinem Lebensende ansässig blieb. 50 Jahre wohnte er in einem Haus in der Ackerstraße, in dem sich im Dachgeschoss sein kleines Atelier befand.

Konrad TucholskiKonrad Tucholski war Autodidakt. Schon als Jugendlicher zeichnete er gern, ohne eine Anleitung oder Förderung zu erfahren. Ab 1958 nahm er an dem anfangs von Paul Waligora geleiteten Zirkel für künstlerisches Volksschaffen in Salzwedel teil. In seinem Ruhestand nach 1978 wurde Konrad Tucholski besonders aktiv. Ab 1974 fanden sich seine Arbeiten auf verschiedenen Ausstellungen des künstlerischen Volkskunstschaffens. 1978 erhielt er die Medaille für Verdienste im künstlerischen Volksschaffen. Eine weitere Intensivierung seiner Arbeit fand Anfang der 90er Jahre statt. Zeitweise leitete er innerhalb der Urania e.V. Salzwedel selbst einen Zeichenzirkel.

In verschiedenen Techniken hatte sich Konrad Tucholski den Motiven seiner Wahlheimat, der Stadt Salzwedel und der umgebenden altmärkischen Landschaft verschrieben. Aber auch im Ergebnis von Reisen und Studienfahrten entstanden eine Reihe von Arbeiten. Daneben schuf Konrad Tucholski auch eine Anzahl von Stilleben und Blumenstücken.

Bilder vom alten Salzwedel

Bilder vom alten Salzwedel

Carl Fettback (1868-1959) war Eigentümer eines bekannten Salzwedeler Fotoateliers. Er wurde 1868 in Salzwedel geboren und starb hier hochbetagt im Jahre 1959.
Bilder vom alten SalzwedelCarl Fettback unterhielt in der jetzigen Neuperverstraße 50 (früher 28) sein Fotoatelier. Unter der heutigen Reklametafel der Buchhandlung „Buch und Musik“ befindet sich noch die ursprüngliche Beschriftung „Photographisches Atelier Carl Fettback“. Das Gebäude beherbergt spätestens seit 1895 das Geschäft von Carl Fettback, der auch im Adressbuch von 1902 bereits als Fotograf erwähnt wird. Noch im Jahre 1941 wird er hier unter dieser Adresse aufgeführt. Wie auch andere Fotografen versuchte Fettback, seinem Geschäft ein zweites Standbein zu verschaffen und eröffnete ein zweites Atelier in Bismark. Das belegen zumindest die Werbebeschriftungen mehrerer Porträtfotos aus der Zeit um 1910/1915. Neben seiner Eigenschaft als Fotograf fungierte Fettback ebenfalls als Kleinverleger, da auch eine Reihe von Bildpostkarten von ihm herausgegeben worden waren.

Ein Foto aus der Zeit um 1900, das von Carl Rinau veröffentlicht wurde, zeigt am Amtsgericht mehrere Werbeauslagen von Salzwedeler Fotografen, dazu gehört auch ein im Gründerzeit-Möbelstil gehaltener Schaukasten der Firma Fettback, die hier für ihre Produkte warb. Hauptsächlich waren hier wohl Porträtfotos im Visit- und Cabinetformat ausgestellt.

Im Museumsfundus finden sich eine Reihe von Fotos verschiedener Gebiete. Einzelporträts im Visitformat der Jahrhundertwende, aber auch Gruppenbilder verschiedener Vereinigungen. Ebenso sind diverse andere Ortsaufnahmen im Bestand zu verzeichnen. Eine Besonderheit ist ein Porträt des Schützenkönigs von 1936 Ludwig Dammholz. Dieses Ölgemälde wurde nach der Signatur von C. Fettback angefertigt. Dabei handelt es sich möglicherweise um den Fotografen Carl Fettback, der ebenfalls in der traditionellen Technik der Ölmalerei geschult war.

Salzwedel, die Altmark und das 18. Jahrhundert

Salzwedel, die Altmark und das 18. Jahrhundert

Dazu gehören ein seltenes, großformatiges Kartenwerk mit dem ersten bekannten Stadtplan von Salzwedel, wie auch Alltagsobjekte, die einen Ausschnitt der zeitgenössischen Handwerkskunst vermitteln. Eine ganze Reihe von Objekten verweist auf damals lebende Personen aus der Stadt Salzwedel und der gesamten Altmark. Dabei werden unterschiedliche Lebensbereiche von Adel und Bürgertum angeschnitten. Historische Karten sind Belege für die frühe Entwicklung der Landkreisstrukturen. Porträtgemälde zeigen herausragende Vertreter aus Politik und Verwaltung. Ebenso verdeutlichen seltene und kostbare Buchdrucke die wachsende Bedeutung der Erfassung und Beschreibung der Altmark. Ein interessantes Beispiel eines neu begründeten Wirtschaftsunternehmens ist die Druckerei Schuster, die das weit verbreitete Altmärkisch-Prignitzische Gesangbuch herausgegeben hatte.
Konkreter Anlass für die Ausstellung ist das 300. Jubiläum der Vereinigung von Alt- und Neustadt Salzwedel im Jahre 1713. Die Zusammenlegung geschah auf Anweisung der Königlichen Zentralverwaltung in Berlin unter König Friedrich Wilhelm I. mit der Bekanntgabe des neuen Salzwedeler Stadtreglements am 13. Dezember 1713. Diese Maßnahme steht im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Neuordnung Preußens, die auch die Altmark betraf.
Salzwedel, die Altmark und das 18. JahrhundertDie Ausstellung ist in zwei Bereiche gegliedert. Im ersten Abschnitt steht die Stadt Salzwedel mit ihrer Bürgerschaft im Mittelpunkt. Mehrere Chronisten sind mit ihren Standardwerken vertreten und geben einen Überblick zum Stand der damaligen Geschichtsschreibung und über die Ereignisse des 18. Jahrhunderts. Verschiedene Ansichten zeigen die Stadt noch innerhalb des mittelalterlichen Mauerrings, eingebettet in die umgebende Landschaft. Hier befindet sich auch das interessante Kartenwerk des Kartografen Haestsko mit einem Übersichtsplan und mehreren Detailplänen, darunter dem ersten bekannten Stadtplan von Salzwedel. Das Kartenwerk wird nach dem Auffinden eines bislang verschollenen Detailplanes erstmals im größeren Zusammenhang gezeigt.
Auf der sogenannten Generalkarte aus dem Jahre 1725 ist die früheste bekannte Handzeichnung eine Stadtansicht von Salzwedel erhalten. Älter sind lediglich zwei symbolische Ansichten und ein weit verbreiteter Kupferstich aus dem Verlag M. Merian aus dem Jahre 1652 mit einer Reihe topografischer Ungenauigkeiten. Die kolorierte Federzeichnung Haestskos von 1725 diente später als Vorlage für Kupferstiche, die als Buchillustrationen verwendet wurden. Der Feldmesser Haestsko hatte in den Jahren vor 1725 das Stadtzentrum und die Feldfluren der im Jahre 1713 vereinigten Stadt Salzwedel vermessen. Dieses Feldkataster bildet die Stadt mit den einzelnen Grundstücken innerhalb und außerhalb der Stadtmauer ab. Die Karten und die damit verbundene Flächenermittlung waren die Grundlage für die Besteuerung der einzelnen Flächen bzw. ihrer Besitzer. Das Kartenwerk als stadtgeschichtliches Dokument besitzt somit eine enge Beziehung zu den Bürgern der Stadt.
Vor diesem Hintergrund wurde eine Reihe von historischen Objekten für die Ausstellung ausgewählt, auf denen namentlich Bürger der Stadt erwähnt sind. Dazu gehören unter anderem sogenannte Fensterbierscheiben und auch wertvolle Teile des Zunftgeschirrs einzelner Handwerkergilden. Ebenso verweisen Konstruktionsteile von einzelnen Bauwerken des 18. Jahrhunderts auf die Häuser der Stadt und ihre Besitzer. Noch heute finden sich im Stadtbild von Salzwedel eine Reihe von interessanten Bauten, die aus dieser Zeit stammen oder in dieser Zeit umgebaut worden sind. Mit Bauinschriften haben sich die ehemaligen Bewohner verewigt.
Im zweiten Ausstellungsabschnitt steht die topografische Erfassung und Beschreibung der Altmark im Mittelpunkt. Gerade im 18. Jahrhundert wurde im Rahmen der Landeserfassung eine relativ große Anzahl kartografischer Materialien hergestellt. Das betrifft einmal Übersichtskarten, die die gesamte Altmark zeigen. Andererseits entstanden auch komplette Kartenwerke, die in großem Maßstab und detailgenau die Landschaft und besonders die Siedlungsformen nachzeichneten.
Gleichfalls wurden die Sammlung und Publizierung von historischen Überlieferungen, die Beschreibungen von Natur und Siedlungen und anderer Informationen zur Altmark in steigendem Maße ein bedeutsames öffentliches Anliegen. Auch die Zusammenstellung und Veröffentlichung statistischer Daten wurde immer mehr ein wichtiges Instrumentarium für Verwaltung und auch Wirtschaft. In diesem Zusammenhang entstanden so bedeutsame Publikationen und Standardwerke wie der „Bekmann“ oder der „Bratring“.
Auch der landschaftsprägende Landesausbau durch Meliorationsmaßnahmen hinterließ seine noch heute sichtbaren Spuren. So wurde die Entwässerung und Aufsiedlung des Drömlings unter Friedrich II. in einer ersten Phase umfangreich durchgeführt. In anderen Bereichen wurden auch ehemalige wüste Dorflagen neu aufgesiedelt.
Eine Anzahl verwaltungstechnischer und gesellschaftsorganisatorischer Neuerungen fiel in das 18. Jahrhundert. Für Bildung, Wirtschaft, Militär und Verwaltung wurden neue Rahmenbedingungen gesetzt. In dieser Zeit entstand im Zusammenhang mit der Neuorganisation und Effektivierung der Landesverwaltung auch die Einteilung der Altmark in Landkreise. In diese Prozesse waren an wichtiger Stelle die regionalen Eliten eingebunden. Vertreter der ansässigen Adelsfamilien wirkten an den Schaltstellen der Entwicklung mit.
Die Ausstellung zeigt ausgewählte Sammlungsstücke aus der Zeit des 18. Jahrhunderts, das nach dem Jahrhundert des 30-jährigen Krieges und seinen langen Nachwirkungen einen Aufbruch in eine neue Modernität darstellte. Die vielfältigen Veränderungen dieser Zeit hatten Auswirkungen auf Leben und Arbeiten der Bewohner der Altmark in Städten und Dörfern. Eine prägnante und symbolhafte Zäsur ist die Zusammenlegung von Alt- und Neustadt Salzwedel am Anfang des Jahrhunderts im Jahre 1713 durch die Aktivitäten Friedrich Wilhelm I.
Das auslaufende Jahrhundert war stark beeinflusst durch die europäischen Ereignisse, die französische Revolution und die Etablierung der napoleonischen Herrschaft in Europa am Anfang des 19. Jahrhunderts. Aus diesem Grund wird in der Ausstellung auch ein kleiner Ausblick bis in die Zeit der Zugehörigkeit der Altmark zum Königreich Westphalen gegeben. Diese endet dann nach den Befreiungskriegen wiederum mit der Neuorganisation von Territorium und Verwaltung im Jahre 1815

StipendiatenART 2012

StipendiatenART 2012

Vom 22. Februar bis 14. April 2013 ist im Danneil-Museum Salzwedel die Ausstellung „StipendiatenART - Megumi Fukuda und Ria Patricia Röder“ zu sehen. Die beiden Künstlerinnen waren im Jahre 2012 Inhaber eines vom Land Sachsen-Anhalt vergebenen Stipendiums. Sie weilten für jeweils drei Monate im Salzwedeler Künstler- und Stipendiatenhaus.

Megumi Fukuda
StipendiatenART 2012Die Künstlerin Megumi Fukuda, ebenfalls Wahlberlinerin, weilte von April bis Juni 2012 mit einem Stipendium des Landes Sachsen-Anhalt in Salzwedel. Megumi Fukuda stammt aus Japan. Sie wurde 1976 in Hiroshima geboren, lebt und arbeitet heute in Berlin und Hiroshima. Ihr Studium absolvierte sie in den Jahren 1999 bis 2008 in Hiroshima, Hannover und Berlin. An Gruppenausstellungen nahm sie mehrfach seit dem Jahre 2000 teil. In diesem Jahr fand auch die erste Einzelausstellung „mixed aromatics“ in Hiroshima statt. Während ihres Aufenthaltes in Salzwedel war im Juni des Jahres 2012 bereits eine Installation im Stipendiatenhaus zu sehen. Diese Installation trug den Titel „Each day begins with the sunrising and ends with the sunsetting”. In den letzten Jahren nahm Megumi Fukuda an mehreren Kunstprojekten teil. Im Jahr 2011 weilte sie, wie auch 2012 dann in Salzwedel, mit einem dreimonatigen Stipendium im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus in Eckernförde. Megumi Fukuda arbeitet mit verschiedenen künstlerischen Ausdrucksmitteln: Installation, Fotografie und Performance.

Für die jetzige Ausstellung im Salzwedeler Danneil-Museum entstand ein neues Ausstellungsobjekt, das eine bereits vorangegangene Arbeit zitiert. „Stand-Alone" ist eine Inszenierung, die einen wichtigen gestalterischen Aspekt von Megumi Fukuda verdeutlicht. Hauptbestandteil dieser Arbeit ist ein vom Sperrmüll aufgelesener Stuhl. Dieser ist mit einer kinetischen Arbeit komplettiert, die durch einen mit Solarenergie gespeisten Motor angetrieben wird.

Ria Patricia Röder
Die Berliner Künstlerin Ria Patricia Röder weilte von Oktober bis Dezember 2012 mit einem Stipendium des Landes Sachsen-Anhalt in Salzwedel. Sie wurde im Jahre 1983 im niedersächsischem Verden an der Aller geboren und studierte in den Jahren von 2003 bis 2010 Medienkunst und Bildende Kunst in Karlsruhe, Wien und Berlin. Seit 2004 beteiligte sich Ria Patricia Röder bereits an einer Reihe von Ausstellungen. Ihre erste eigene Ausstellung mit dem Titel „DES“ war im Jahre 2007 in Karlsruhe zu sehen, die letzte mit dem Titel „RAYDIATOR“ wurde im vorigen Jahr in der Kunstsammlung Gera gezeigt. Nach der diesjährigen Ausstellung im Salzwedeler Johann-Friedrich-Danneil-Museum von Februar bis April 2013 veranstaltet das Künstlerhaus Göttingen anschließend von Mai bis Juni 2013 die Präsentation „Lightbox“ mit Arbeiten der Künstlerin. Studienbegleitend kam Ria Patricia seit 2006 in den Genuss mehrerer Stipendien, so das Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes und andere mehr. Ria Patricia Röder arbeitet mit Licht, mit den Mitteln von Fotografie und Video. Sie nutzt das Licht und das fotografische Medium, um nicht nur abzubilden, was ist, sondern vielmehr Licht zielgerichtet als Gestaltungsmittel einzusetzen. Mit zusätzlichen Lichtquellen wird das Bild gestaltet, mit Licht gemalt.

Beil, Streitaxt, Keil und Hammer

Beil, Streitaxt, Keil und Hammer

Noch heute werden bei Feldarbeiten auf den Äckern manchmal Geräte aus Feuerstein, Felsgestein oder Bronze gefunden, die wegen ihrer großen Vielfalt und, nicht selten, sehr detaillierten Verarbeitung Erstaunen erregen. Neben vielen sorgfältig gearbeiteten Feuersteinbeilen besitzt das Danneil-Museum Salzwedel eine sehr große Zahl an Felsgesteins- oder Geröllgeräten. Ein Teil dieser Werkzeuge oder Waffen wird am 31. 01. 2013 in einer Kabinettausstellung in der Sparkasse Altmark/West vorgestellt.

Bis vor kurzem war man sich bei der Datierung solcher Stücke in der Regel schnell einig: sie konnten nur aus der Jungsteinzeit stammen. Da es sich oft um Zufallsfunde handelt, ist eine Datierung aus dem Fundzusammenhang meist aber unmöglich. Bei einigen sehr prägnanten Formen, wie den sogenannten Bootäxten oder Amazonenäxten ist eine zeitliche Einordnung gut nachvollziehbar, nicht aber bei hammerähnlichen und häufig auch nicht bei keilartigen Geräten. Man ging früher davon aus, dass Geräte aus Stein aus der Steinzeit, Werkzeuge aus Bronze aus der Bronzezeit und demzufolge Eisengeräte aus der Eisenzeit stammen müssen, ließ dabei aber außer Acht, dass bis in die Neuzeit hinein Werkzeuge aus Felsgestein verwendet wurden. Findet man also Stücke ohne Fundzusammenhang, die von ihren Merkmalen her nicht zu klassifizieren sind, so verbietet sich eine zeitliche Einordnung von selbst. Man weiß inzwischen sogar, dass viele Felsgesteinswerkzeuge bronzezeitlich sind oder gar noch der Eisenzeit stammen. Sogar noch auf kaiserzeitlichen Gräberfeldern werden manchmal solche Stücke gefunden. Im Gegensatz zu den Geröllgeräten wurden die massenhaft hergestellten Feuersteinbeile der Jungsteinzeit in der Bronzezeit komplett durch das neue Metall ersetzt und demzufolge danach auch nicht mehr produziert.

Feuersteinbeile wurden wegen ihrer Härte niemals durchbohrt. Felsgesteinsgeräte dagegen sehr häufig. Durchbohrte Geräte werden in der Regel als „Äxte“ oder Hämmer bezeichnet, nicht gebohrte dagegen als Beile oder als Keile. Bei außergewöhnlich großen und schweren Exemplaren vermutete man früher, dass sie vielleicht als Pflugschare benutzt wurden. Davon ist man heute in der Regel abgegangen. Die Benennung der Geräte erfolgte oft ohne deren tatsächliche Funktion zu kennen. So eignen sich durchbohrte „Gerölläxte“, wegen ihrer stumpfen Schneide überhaupt nicht zum Holzhacken, wie es die Bezeichnung suggeriert, als Spaltkeil zum Spalten von Holz oder als Waffe allemal. Daher ordnete man z.B. auch die sogenannten Bootäxte den schnurkeramischen „Streitaxtkulturen“ der ausgehenden Jungsteinzeit zu. Sie imitieren bronzene Vorbilder aus Südeuropa. Diese wunderschön gearbeiteten Stücke eignen sich tatsächlich nicht zum Arbeiten, es könnte sich auch um Standeszeichen („Zepter“) regional bedeutender Persönlichkeiten gehandelt haben. Es gibt allerdings Wissenschaftler, die für diese Zeit eine prägnante Zunahme von charakteristischen Schädelverletzungen durch Schlageinwirkungen konstatieren, was man auf die vermehrte Verwendung solcher Steinäxte als Waffen zurückführt.

Sieht man sich die Bohrungen vieler „Äxte“ genauer an, so stellt man fest, dass sie häufig nicht dazu geeignet sind, einen langen Holzstiel aufzunehmen. Sie weisen meist einen viel zu geringen Durchmesser auf, sind oft schief angesetzt oder liegen zu weit im Nackenbereich des Werkzeuges. Die Schwerpunkte sind in solchen Fällen zum Schlagen ungeeignet. Manchmal wurden die Bohrungen nicht einmal zu Ende gebracht. Trotzdem besitzen auch solche Stücke Gebrauchsmerkmale. Die Nacken weisen fast immer Schlagmerkmale auf und die Schneiden sind häufig beschädigt. Solche Werkzeuge wurden als Keile verwendet. Zum Fixieren und um sich nicht auf die Hand zu schlagen, führte man in die Schaftlöcher wahrscheinlich kurze Rundhölzer ein, die man beim Einschlagen festhielt. Da die Löcher oft schräg verlaufen, konnte man die Keile sogar schief ansetzen. Viele solcher, meist sehr sorgfältig bearbeiteter Steinkeile, stammen aus der Bronzezeit vielleicht auch noch aus der Eisenzeit oder sind eventuell noch jünger. Neben den Keilen wurden auch schwere Hämmer aus Felsgestein offensichtlich zu allen Zeiten verwendet. In ihrer Unverwüstlichkeit waren sie entsprechenden Metallwerkzeugen offensichtlich noch sehr lange überlegen.

Gebohrt wurde nach zwei Hauptprinzipien, der Hohlbohrung und der Voll- oder Sanduhrbohrung. Als Bohrhilfsmittel dienten dabei jeweils Sand und Wasser. Hohlbohrungen bohrte man mit hohlen Holunderhölzern, die in Rotation versetzt wurden. Der dabei entstehende Bohrkern fiel am Ende des Vorganges heraus. Bei der Vollbohrung bohrte man von beiden Seiten mit einem harten Vollholz. Die Bohrlöcher trafen sich etwa in der Mitte des Werkzeuges, das entstandene Schaftloch hatte ein sanduhrförmiges Profil.

Ab dem Beginn der Bronzezeit ersetzte man die Feuersteinbeile durch Bronzebeile, die ebenfalls kein Schaftloch besitzen. An deren Formen kann man den langen Entwicklungsweg vom Flachbeil zum Randleistenbeil, über das Absatzbeil und Lappenbeil bis hin zu den materialsparenden Tüllenbeilen verfolgen. An den Gebrauchsspuren und Beschädigungen vieler dieser Stücke kann man erkennen, dass sie zumindest zum Ende ihrer Nutzung vor allem als Keile Verwendung fanden. Vorstellbar ist natürlich, dass, wenn man solche Geräte „ausgrub“, diese auch noch lange nach dem Ende der Bronzezeit in dieser Funktion genutzt wurden.

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