Ausstellungsarchiv 2011

WARP

„WARP“

Bernhard Schulz weilte im Jahre 2010 als Inhaber eines Stipendiums im Salzwedeler Künstler- und Stipendiatenhaus. In der Ausstellung zeigt er u. a. Arbeiten, die während seines Aufenthaltes in Salzwedel entstanden sind. Sein Hauptarbeitsmittel ist Licht, mit dem er regelrechte Skulpturen formt und im Bild festhält.
Licht hat mit Energie, Zeit und Geschwindigkeit zu tun, und es sind diese Aspekte, die Bernd Schulz in das Zentrum seiner Kunst gerückt hat. Licht dient ihm sowohl als Werkzeug zur Produktion seiner Arbeiten sowie auch als deren Thema. Bei ihm sind Licht und dessen Energie gegenständlich, körperhaft und greifbar, es ist ein festes Material, das sich wie selbstverständlich für die Produktion von dreidimensionalen Gebilden, ob Skulptur oder Bauwerk, eignet. Zu sehen sind die real erscheinenden Lichtobjekte in den Fotografien, die der Künstler anhand der technischen Möglichkeiten der Langzeitbelichtung aufnimmt, doch seine aus Licht hergestellten Werke behalten nach wie vor jene flüchtige und bezaubernde, geheimnisvolle Unerklärlichkeit des Lichts bei. Sie durchdringt die „konkreten“ Lichtplastiken und Lichtgebäude, verleiht ihnen eine schimmernde, jenseitige Qualität.
Mit den unterschiedlichsten Arten von Lichtquellen geht Bernd Schulz des Nachts zu Orten in der Natur oder der Stadt. Hier baut, formt, malt oder zeichnet er unter dem wachsamen Auge der Kleinbildkamera, deren Belichtungszeit bis zu einer halben Stunde eingestellt ist. Mit dieser Technik fängt er die Summe des Lichts, das er zur Herstellung seiner Motive verwendet, auf einer einzelnen Fotographie ein. Das Resultat ist als Ganzes zwar erst auf dem Bild optisch wahrnehmbar, sie bleiben aber im Gedächtnis des Betrachters, dem weiterhin durchaus bewusst ist, dass Schulz‘ flüchtige Lichtobjekte tatsächlich noch da draußen stehen, so unsichtbar sie vor Ort auch sein mögen.

Bilder vom alten Salzwedel

Bilder vom alten Salzwedel

Im Bildarchiv des Danneil-Museums befindet sich eine Serie von repräsentativen Fotografien in gleicher äußerer Aufmachung, die in der Zeit um 1900 von der Salzwedeler Buch- und Kunsthandlung Carl Rinau vertrieben wurde.
Diese Firma, die auch als Kleinverlag fungierte, entstand aus einem Buchbindereibetrieb in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Unter dem Namen des ursprünglichen Inhabers Carl Rinau, der seine Buchbinderei und die Buchhandlung über 30 Jahre selbst führte, bestand des Geschäft bis zur Verstaatlichung mit neuem Inhaber bis nach 1945.
Insgesamt sind sieben Bildmotive von bedeutenden Profanbauten der Stadt Salzwedel hier zu sehen. Von mehreren Bildmotiven existieren einfache Schwarz-Weiß-Abzüge und gleichzeitig auch handkolorierte Ausführungen.
Die fotografischen Aufnahmen fertigte offensichtlich eine Berliner Fotografiefirma an, die „Graphische Gesellschaft E.G.M.B.H. Berlin". Den Vertrieb bzw. die Herausgeberschaft lag in Händen von Carl Rinau, der in Personalunion den Verlag und seine Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung führte.

oberst-fotografiert

Oberst fotografiert

„OBERST FOTOGRAFIERT“, steht symbolhaft über der Ausstellung, die einen Einblick in die Geschichte Salzwedeler Fotografen und Salzwedeler Fotografie gibt. Das Motto ist der Schaufenster-Beschriftung des Fotoateliers Rolf Oberst entlehnt, das sich bis 1991 in der Salzwedeler Burgstraße befand. Die Familie Oberst brachte Fotografen und Fotografinnen in vier Generationen hervor. Zeitweise existierten zwei bzw. drei Fotoateliers von Familienmitgliedern gleichzeitig in der Stadt. Die Nachkommen des letzten Geschäftsinhabers sind, wenn auch nicht mehr mit eigenem Atelier in Salzwedel, beruflich als Fotografen tätig. Die Geschichte der Familiendynastie begann im Jahre 1880 als Rudolf Oberst seine Geschäftseröffnung bekannt gab.
Die fotografischen Arbeiten aus den Ateliers Oberst, die in der Ausstellung zu sehen sind, zeigen einen Querschnitt durch die technische Entwicklung der Fotografie vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. Kontaktabzüge von den großformatigen Glasplatten ermöglichten fotografische Abbildungen in großartiger Schärfe und Detailreichtum. Die jüngsten Arbeiten wurden mit einer Digitalkamera angefertigt, die, vom technischen Fortschritt bereits wieder überholt, auch als Ausstellungsstück neben einer gediegenen Atelierkamera des 19. Jahrhunderts zu besichtigen ist. Teile der alten Atelier- bzw. Laborausstattung mit interessanten Staffagemöbeln geben einen Einblick in das Innenleben eines Fotoateliers. Die fotografischen Arbeiten zeigen stimmungsvolle Porträtaufnahmen, wichtige Ereignisse der vergangenen Jahrhunderte oder dokumentieren historische Orte, die es so heute nicht mehr gibt.

Das ist meine Zeit - Karl Heinz Franke

„Das ist meine Zeit“ - Karl Heinz Franke (1926-2007)

Der Salzwedeler Maler, Grafiker und Kunsterzieher Karl Heinz Franke gehörte zu einer Generation von Malern und Grafikern, die entscheidend die künstlerische Entwicklung nach 1945, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Salzwedel geprägt hat. Er wurde am 6. März 1926 im Dorf Kemnitz bei Salzwedel geboren und starb am 13. Juni 2007 in Salzwedel.
Karl Heinz Franke war in seinem Leben mit verschiedenen Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in einer Reihe von Orten präsent. Dazu gehörten Salzwedel, Stendal, Gardelegen, Magdeburg, Erfurt, Dresden, Berlin, Uelzen, Ungarn, Mexiko. Seine Arbeiten hingen auf den ersten Salzwedeler Kunstausstellungen in der Nachkriegszeit gemeinsam mit den Arbeiten von Paul Waligora, Heinz-Werner Krogel und Siegfried Jagenholz.
Ebenso war er auf den großen Ausstellungen, die dem altmärkischen Kunstschaffen gewidmet waren, vertreten.
Seine wohl größte und umfangreichste Arbeit stellte ein großformatiges Emaillewandbild dar, das 1973 für den Speisesaal des VEB Erdgasförderung angefertigt wurde. Das über 14 m breite und 4 m hohe Wandbild ist nach dem Verkauf des Gebäudes in den 1990er Jahren abgenommen und eingelagert, später aber zerstört worden.
Im Jahre 2002 war im Salzwedeler Jenny-Marx-Haus Salzwedel ein umfangreicher und repräsentativer Querschnitt seiner Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten fruchtbringenden Schaffens, gewissermaßen ein Überblick über sein Lebenswerk, zu sehen.
Die jetzige Ausstellung im Danneil-Museum gibt einen kleinen Überblick und erinnert an das umfangreiche Schaffen des Salzwedeler Künstlers. Die ausgestellten Arbeiten stammen aus dem Nachlass des Künstlers, der in Familienbesitz aufbewahrt wird.

Aus Ton gemacht

Aus Ton gemacht

Gegenstände aus gebranntem Ton fasst man unter dem Begriff Keramik zusammen. Die „Erfindung“ der Keramik war eine der Ursachen für den rasanten wirtschaftlichen Fortschritt der Menschheit seit Beginn der Jungsteinzeit. Seit ca. 7000 Jahren verstehen es die Menschen, Ton zu brennen und somit haltbare und relativ wasserfeste Gegenstände auf diese Art und Weise herzustellen. Außer Gefäßen und Geschirr, darunter Flaschen, Krügen, Schüsseln oder Teller, werden seit der Antike viele weitere Gebrauchsgegenstände wie Kacheln oder Fliesen, Dachsteine, technische Geräte aber auch Skulpturen usw. aus Ton gebrannt. Die Festigkeit des Scherbens ist dabei immer abhängig von der Brenntemperatur und der Beschaffenheit des Tons. Erst seit dem späten Mittelalter war es in Mitteleuropa möglich, wasserdichte Scherben zu erzeugen. Dazu benötigte man besonders hochwertige Tone, die bei sehr hohen Temperaturen gebrannt werden konnten ohne zu schmelzen. Die Dichtbrenntemperatur liegt bei 1250°C. Nur das seit dem 14. Jahrhundert bekannte Steinzeug (bis 1280°C) und das seit dem 18. Jahrhundert erzeugte noch feinere Porzellan, die Brenntemperatur kann hier bis 1450°C erreichen, sind wirklich wasserdicht. Vorher war es somit nicht möglich, Flüssigkeiten in unglasierten Keramikgefäßen zu transportieren oder über einen längeren Zeitraum aufzubewahren.
Das Johann-Friedrich–Danneil-Museum besitzt eine große Sammlung keramischer Gegenstände. Überwiegend handelt es sich dabei um Gefäße bzw. Gefäßscherben, die seit der Jungsteinzeit bis in die Neuzeit hinein erzeugt wurden. In der kleinen Sparkassenausstellung sollen einige besondere Stücke dieser Sammlung vorgestellt werden. Das Spektrum reicht dabei von einer sehr gut erhaltenen ca. 5000 Jahre alten bronzezeitlichen Schminkpalette mit Farbresten über die in der westlichen Altmark sehr seltene spätslawische Keramik hin zu den vom Ende des 16. Jh. bis ins 18. Jh. hinein europaweit gehandelten Mineralwasserflaschen aus Steinzeug.

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