Ausstellungsarchiv 2009

Bilder Ihrer geliebten Stadt

Bilder Ihrer geliebten Stadt

Das Danneil-Museum zeigt traditionell anlässlich des jährlichen Tages des offenen Denkmals besondere Abbildungen aus seinem Bildarchiv.
Zum 70. Geburtstag im Jahre 1924 erhielt der ehemalige Bürgermeister von Salzwedel, Dr. Kersten, eine Schmuckkassette mit 44 auf Karton aufgezogenen fotografischen Ansichten von Salzwedel geschenkt. Im Deckel der Kassette ist ein Widmungstext von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung eingeschrieben, in welchem die Leistungen des Pensionärs gewürdigt werden, hieraus stammt auch ein bewertendes Zitat für die historischen Fotos:. „Bilder, welche die Schönheit Ihrer geliebten Stadt feiern wollen“
Die 44 Fotos zeigen romantische Motive aus dem historischen Kern der Stadt bzw. auch einige idyllische Wege am Rande. Die Aufnahmen sind rückseitig nummeriert, betitelt und die Aufnahmedaten taggenau datiert. Die Bilder sind chronologisch geordnet. Die erste Aufnahme stammt aus dem Jahre 1896, die letzte der Serie aus dem Geburtstagsvorjahr von Kersten, 1923. Die Auswahl muss somit aus einem vorhandenen und gut erschlossenen Negativarchiv, möglicherweise des Fotoateliers Oberst, getroffen worden sein.

Glaskultur in Norddeutschland

Glaskultur in Norddeutschland

Glaskultur in Norddeutschland

Gläserne Schätze aus dem Untergrund

Viele Jahre schlummerten in Vitrinen, Schubladen und Pappkartons des Museums für das Fürstentum Lüneburg und der Stadtarchäologie Lüneburg gut 1.200 Glasfunde und warteten darauf, an das Licht der Öffentlichkeit zu gelangen. Die Glasobjekte, die während der letzten 30 Jahre im Zuge von Ausgrabungen geborgen werden konnten, haben es verdient, entdeckt zu werden: Im Vergleich zu anderen Glasfunden des 15. bis 18. Jahrhunderts aus Städten besticht die Lüneburger Sammlung durch eine außergewöhnlich große Zahl qualitativ hochwertiger Gläser vor allem des 16. und 17. Jahrhunderts. Der Stadtarchäologie Lüneburg in Verbindung mit dem Verein Lüneburger Stadtarchäologie e.V. als Initiatoren und der Lüneburgischen Landschaft als Finanzier ist es zu verdanken, dass die reichhaltigen Glasbestände des Museums aufgenommen und ausgewertet werden konnten.

Glas gehört trotz oder gerade wegen seiner Zerbrechlichkeit zu einem der beliebtesten Werkstoffe der Menschheit. Die Ausstellung beginnt mit gläsernen Highlights des Mittelalters und endet bei den norddeutschen, insbesondere den niedersächsischen Glasprodukten der Neuzeit. Importe aus Böhmen, Frankreich, den Niederlanden und Venedig sind Zeugen einer an Luxus orientierten Glaskultur.

Das Schwergewicht der Ausstellungsobjekte liegt auf dem stilistischen und funktionalen Spektrum der Lüneburger Glasgefäße mit ihrer außergewöhnlichen Formen-, Farb- und Dekorvielfalt. Ergänzt durch ausgewählte Exponate des Mittelalters und der Neuzeit aus Salzwedel bietet die Ausstellung neue Erkenntnisse zur Glaskultur in diesem Raum.

Neben Fensterverglasungen, schlichten Vorrats- und Schenkgefäßen sowie Gläsern aus dem medizinisch-alchemistischen Bereich sind Glasgefäße einer gehobenen Tisch- und Trinkkultur geborgen worden. Zu den bemerkenswerten Funden des Spätmittelalters zählen Importstücke aus dem belgisch/französischen Raum sowie aus der Region Böhmen/-Thüringen. Erzeugnisse deutscher Waldglashütten (hier insbesondere Weserbergland, Thüringen, Mecklenburg und Schleswig-Holstein) sind durch geläufige Trinkglasformen des 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts wie optisch geblasene Becher, Krautstrünke und Keulengläser vertreten. Produkte des 16. und 17. Jahrhunderts sind in Form von Stangengläsern, Berkemeiern und Römern sowie Henkel- und birnförmigen Flaschen präsent.
... à la façon de Venise

StipendiatenArt

StipendiatenArt

StipendiatenArt

Jährlich erhalten mehrere Künstler ein Stipendium bzw. die Möglichkeit im Salzwedeler Künstler- und Stipendiatenhaus einen Arbeitsaufenthalt zu verbringen. Das Künstlerhaus befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Danneil-Museums in der malerischen Altstadt von Salzwedel.
Jeweils zum Jahresanfang können die Inhaber des letztjährigen Landesstipendiums die Möglichkeit nutzen, hier ihre Arbeitsergebnisse zu präsentieren. Das gibt sowohl den Salzwedelern wie auch ihren Gästen die Möglichkeit, sich nicht nur zu informieren, welche Resultate der Arbeitsaufenthalte der Künstler erbracht haben. Vielmehr geben derartige Präsentationen auch Aufschlüsse darüber, wie Künstler von außerhalb die Stadt Salzwedel bzw. die Region Altmark erleben und reflektieren. Im Jahre 2008 waren unter anderem die Berliner Künstlerin Anne Rinn wie auch Naho Kawabe aus Hamburg in Salzwedel zu Gast.

Anne Rinn wurde 1968 in Tübingen geboren. Sie absolvierte ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien von 1989-1993 und nahm, neben mehrere Einzelausstellungen, auch an einer Reihe von Gruppenausstellungen im In- und Ausland teil. In Salzwedel arbeitete Anne Rinn von Oktober bis Dezember 2008.
Anne Rinn ist Zeichnerin. Ob nun direkt auf die Wand oder auf Papier, in ihren Zeichnungen fließen Energien und Ströme, es laufen Räder, Teile wachsen zusammen, andere stoßen sich ab, da deuten Pfeile Richtungen an und manchmal scheint es zu kleinen Explosionen zu kommen, Stecker finden zueinander, alles ist in Bewegung oder wird es gleich sein. Rinns Zeichnungen zwischen Naturwissenschaft und surrealen Bildergeschichten erzählen von Abläufen und Prozessen und dem Moment, in dem umgeschaltet oder die Richtung gewechselt wird. Im Johann-Friedrich-Danneil Museum zeigt Anne Rinn eine 3, 80 m x 1,50 m große Zeichnung, die an den unteren Rändern eingerissen und als großer Fetzen an Stellwänden befestigt ist. Fast hat man den Eindruck sie wäre von oben über die Stellwände gelegt und würde sich dahinter fortsetzen. Die Linien hören an den abgerissenen Rändern des Papiers plötzlich auf, wandern jedoch direkt auf den Stellwänden weiter. In einer Nische sind unter einem Glassturz auf einem Podest kleine Zeichnungen und Texte zu einer Erkundung über Ziegelmehl-Ausschabungen und Schalensteine in Salzwedel zu finden. Es geht nicht etwa um einen geschichtlichen Abriss dieses Phänomens, sondern um die Bedeutung der Kulthandlung als Ansatz für neue Ideen, die die Künstlerin zu ihren Zeichnungen inspirieren.

Die heute in Hamburg lebende Künstlerin Naho Kawabe wurde 1976 in Fukuoka in Japan geboren. Sie absolvierte dort ein künstlerisches Studium und setzte dieses ab 2001 bis 2006 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg fort. Sie war Inhaberin mehrerer Stipendien, nahm an einer Reihe von Gruppenausstellungen teil und realisierte auch Einzelausstellungen. Von Februar bis März 2008 weilte sie in Salzwedel.
In der Ausstellung sind zwei aktuelle Arbeiten zu sehen. Die Fotoserie „The Palms of Royan“ zeigt Aufnahmen aus der im 2. Weltkrieg völlig zerstörten und danach im Stil der 1950er Jahre wieder aufgebauten französischen Stadt Royan.
2008 hat Naho Kawabe zum 50. Jahrestag des Wiederaufbaus der westfranzösischen Stadt Royan nach ihrer totalen Zerstörung im II. Weltkrieg die urbanen Anlagen und Gebäude fotografiert. Die Rekonstruktion der Stadt ist vollkommen im Stil der 1950er Jahre gehalten und regte Jasques Tati zu seinem Film „Mon Oncle“ an, der eine Persiflage auf modernistische Architektur war. Er kam 1958 zur Zeit der Einweihung des neu erstandenen Badeortes in die Kinos.
Die Videoarbeit „Der Weg I“ hat die Flucht deutscher Emigranten, darunter Walter Benjamin, während der NS-Diktatur über die Pyrenäen zum Thema. Das halbstündige Video von Naho Kawabe zeigt den Weg, den Walter Benjamin und viele andere deutsche Flüchtlinge in den Jahren zwischen 1940 und 1942 gehen mussten, um sich vor den Nationalsozialisten zu retten. Die Flüchtenden wurden von Hans und Lisa Fittko über die „Route Lister“ geschleust, einem alten Schmuggelpfad zwischen Banyuls auf der französischen Seite und Port Bou auf der spanischen Seite der Pyrenäen an der Mittelmeerküste, um durch Spanien nach Lisabon zu gelangen. Dort bestiegen sie Schiffe und retteten sich nach Casablanca, Shanghai, Havanna oder New York. Walter Benjamin jedoch beging Selbstmord, als er in Port Bou ankam und erfahren musste, dass sein Transitvisum nicht anerkannt wurde. Das Video zeigt den beschwerlichen Aufstieg in die Berge zwischen Banyuls und Port Bou aus der Perspektive der Flüchtenden, der ständig nach unten blickt auf die steinigen Hindernisse. Zugleich sind den Bildern Texte von Lisa Fittko und Benjamin unterlegt, die sich mit der Straße und dem Flanieren auseinandersetzen.

Museumsplakate aus 20 Jahren

Museumsplakate aus 20 Jahren

Ausstellungs- und Veranstaltungsplakate aus den Jahren von 1989 – 2009 zeigen einen Ausschnitt aus 20 Jahren Museumsarbeit. Die wichtigen Vorarbeiten, die diesen Ausstellungen vorangehen und eine Art Grundlagenforschung darstellen, bleiben in der Regel dem Besucher zwar verborgen, dieser sieht dann nur die fertigen Präsentationen. Trotzdem geben die hier ausgestellten Plakate einen Einblick in die Vielfalt der Themenbereiche, die von der historischen Ausstellung, über kulturgeschichtliche Darstellungen bis hin zu künstlerischen Präsentationen reicht.
In dieser Ausstellung sind dabei nicht nur Plakate aus dem Danneil-Museum zu sehen. Vielmehr gibt sie auch einen Überblick zu den Projekten, die seit 1990 und bis zum Jahre 2005 auch in dem angeschlossenen Ausstellungsgebäude, dem Jenny-Marx-Haus, realisiert worden waren.
Die wechselnde grafische Reihengestaltung der Plakate verweist auch auf geänderte Strukturen in diesen 20 Jahren. 1990 wurde das „Danneil-Museum“ mit dem „Museum über die Familie Marx“ zusammengeschlossen. Es entstanden die „Museen der Stadt Salzwedel“, die dann in „Salzwedeler Museen“ umbenannt wurden. 1998 erfolgte die Vereinigung mit dem Freilichtmuseum in Diesdorf zu den „Museen des Altmarkkreises Salzwedel.“
Die erste hier ausgestellte und noch handwerklich als Fotomontage im Museumsfotolabor selbst gefertigte Einladungskarte aus dem Jahre 1989 verweist auf die Ausstellung „Steppke-Forum-Moccadur“, die Alltagskultur der DDR-Zeit zum Thema hatte. Das letzte Plakat aus dem Jahre 2008 „HANSEZEIT“ zeigt die über nun schon Jahre bewährte Kombination von Plakat und Faltblatt. Gleichfalls verweist das daneben befindliche großformatige „Banner“ mit dem gleichen Bildmotiv auf die neuen technischen Möglichkeiten innerhalb von 20 Jahren Museumsarbeit. Das letzte Plakat aus dem Jahre 2009 in einer Folge von 141 Ausstellungen seit dem Jahre 1989 wurde für die hier zu sehende Ausstellung entworfen und ist ebenfalls als Collage ein handgefertigtes Unikat.

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