Das HEIMATSTIPENDIUM

Mit dem Sonderförderprogramm HEIMATSTIPENDIUM gibt die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt in Kooperation mit dem Landesmuseumsverband Künstlerinnen und Künstlern aus Sachsen-Anhalt die Gelegenheit, sich mit acht ausgewählten musealen Sammlungen auseinanderzusetzen, deren verborgene Potenziale aufzudecken und, davon inspiriert, neue Arbeiten zu entwickeln. Zeitgenössische Kunst wird so mit den Schätzen verschieden ausgerichteter Sammlungen zusammengebracht. Durch partizipative Ansätze, Veranstaltungen und intensive Öffentlichkeitsarbeit soll ein breites Publikum für die Museen aktiviert werden.

Weitere Informationen auf http://heimatstipendium.kunststiftung-sachsen-anhalt.de

Das Projekt: 1234 Eckstein …

1234 Eckstein …  entwickelt sich durch die Zusammenarbeit mit den Einwohnern aus Diesdorf und Umgebung und Besuchern des Freilichtmuseums. Gemeinsam erforschen wir die Ebenen „verstecken – suchen – finden“ mit Schwerpunkt auf technischen Errungenschaften der Menschheitsgeschichte. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse, figürlich in Stein umgesetzt, regen an, das Gelände und die Entwicklung technischer Gerätschaften im Wandel der Zeit des Freilichtmuseums Diesdorf als Spielfeld zu begreifen.

Zuerst spielen wir Verstecken, in allen Variationen, bis zum Umfallen – nur schärfen wir dabei unsere Sinne und beobachten uns beim Spiel.

Zu beobachten gibt es:

  1. Die spezielle Versteckmimik: welche Emotionen entwickeln wir beim Spiel, woran erkennen wir in Gesichtern welches Gefühl gerade Oberhand hat und wie schnell verändern sich Gesichtsausdrücke? Untersucht wird das mit Hilfe eines selbst entwickelten Mimikpuzzles (Prototyp ist schon vorhanden). Die Forschung wird erweitert durch Nachempfinden der Versteckmimik mittels Salzteig – wir formen Emotionen wie Schadenfreude, Enttäuschung, große Begeisterung u.s.w.. Besonderen Spaß haben wir mit der dramatischen Überzeichnung der Versteckmimik, die wir fotografisch festhalten.

Die Ergebnisse fließen unmittelbar in die künstlerische Umsetzung der steinernen Figuren ein. Die Kinder lernen viel über Mimik und das Lesen der Mimik.

  1. Typische Versteckhaltungen und beste Verstecke: wir untersuchen den Zusammenhang zwischen der körperlichen Haltung und dem Versteck – hier gibt es eine Bandbreite an Möglichkeiten – das wird fotografisch festgehalten und ein Zeitprotokoll wird geführt: wer hält am längsten in welcher Pose aus? Wir erforschen die nähere Umgebung auf Verstecke (ideale, geeignete, ungeeignete, sehr schlechte). Alle diese Orte werden kartiert und in Versteckkarten transkribiert und diese werden danach an Familienmitglieder zur Testphase überreicht. Mal sehen, ob diese Karten funktionieren? Ganz nebenbei schulen wir uns im Kennenlernen der Umgebung.

Bei Zeit & Muse: ein Projekttag zum Thema: die Magie der Unsichtbarkeit (Textilworkshop: Herstellung des magischen Mantels, der seinen Träger*innen Unsichtbarkeit verleiht)

Besonders charakteristische Haltungen werden in Stein realisiert.

  1. Die Gerätschaften im Wandel der Zeit: Im Bestand des Freilichtmuseums Diesdorf befinden sich viele Dinge, die jeder kennt (Besen, Waschbrett, alte Lampe, Schaukelpferd). Wie haben sich diese Geräte im Wandel der Zeit bis heute verändert und wie könnten sie in 300, 800 oder 2000 Jahren aussehen. Die Teilnehmer suchen sich Geräte aus dem Museum aus und die Zeitreise von Besen, Ofenrohren und Matratzen kann beginnen.

Es entstehen Motive diverser Gerätschaften aus dem Bestand des Museums. Diese Motive – versehen mit einheitlichen Layout – werden zur Vorlage einer Postkartenedition, die im Laufe der kommenden Monate heran wächst und als Prototyp in den Druck geht. Ein gelungener Abschluß für das Projekt und eine kleine Erinnerung an die gemeinsame Zeit. Jeder Stein erhält am Sockel eine Zeitreise eines bestimmten Geräts aus dem Museum, dargestellt als steinernes Ornament.

Die Künstlerin

Das Schaffen der Künstlerin Rebekka Rauschhardt umfasst neben Malerei und textilen Objekten baugebundene Kunst und Skulptur. Darüber hinaus ist sie in ihrer Wahlheimat Halle (Saale), an deren Kunsthochschule sie studierte, als Initiatorin einer Plattform für junge Künstler aktiv und im Vorstand eines Vereins tätig, der Kunst-Projekte im Rahmen der jährlichen Händel-Festspiele realisiert. Im Jahr 2012 war sie Stipendiatin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt mit ihrem Projekt „Die Wäsche meiner Nachbarn“.

Sie selbst schreibt über sich:

„Die Antwort auf die mir oft gestellte Frage: Warum machst du Kunst??

Weil ich nichts lieber mache. Sie wollen ganz bestimmt nicht, dass ich die Straßenbahn lenke, oder die eine oder andere Brücke baue. Sie möchten sich nicht bei mir einer Wurzelbehandlung unterziehen, noch mir Ihre Vorgartengestaltung überlassen. Ganz zu schweigen von Ihrer Frisur. Ich sehe vor meinem inneren Auge schon Ihren skeptischen Blick, wenn Sie in meiner Pension Ihren Jahresurlaub verbringen und Ihnen meine Hausmannskost zu Tisch gebracht wird. Kindergärtnerin, Ernährungsberaterin, Pflegerin, Anwältin, Gefängnisaufseherin … Sie würden sich wünschen, dass Sie in guten Händen sind.

Allerdings würde ich unheimlich gerne in der Verwaltung arbeiten, zum Beispiel beim Finanzamt.“

Vita

1978 in Dresden geboren

2003 – 2005 Studium der Innenarchitektur, Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst & Design Halle, Vordiplom

2005 – 2010  Studium der Kunst, Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst & Design Halle, Fachbereich: Malerei / Textile Künste bei Prof. Ulrich Reimkasten, Abschluss: Diplom, seitdem freischaffend

seit 2011 Gründung der RAUSCHICKERMANN – Plattform für junge Kunst aus Halle GbR (gemeinsam mit B. Hermann), seitdem 10 temporäre Verkaufsausstellungen (Kunstraum RAUSCHICKERMANN) in Halle, 2x in Dessau, 1x Berlin.

Themenausstellungen der Plattform RAUSCHICKERMANN („elf für alle“ / 2013; „Garten“ / 2015; „Neue Sinnlichkeit“ / 2015; „codes“ / 2016)

sowie „Max macht Oper“ – Projektwochenangebot für Schulen und Horteinrichtungen für Kinder in sozialen Brennpunkten, ein Projekt der Bürgerstiftung Halle & „Kultur macht stark“ kreative Angebote für Projektwochen an Schulen

2012 Stipendium der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt „Die Wäsche meiner Nachbarn

seit 2013 Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereines „sichtbar – zeitgenössische Kunst e.V.“ – Konzeption und Realisierung eines Kunstfestivals im Rahmen der jährlich stattfindenden Händel-Festspiele in Halle (Saale)

1996 – 2017 Ausstellungen  (Malerei, Grafik, Textil, Stein) u.a. in Palma de Mallorca, Halle, Leipzig, Berlin, Rostock, Magdeburg, Trier, Worms, Schwedt, Bautzen, Zwickau, Dessau, Hemsbach, Mücheln, Meschwitz …

Publikationen

2009: „Humankapital Krankenhaus Kunst“, Hrsg. U. Reimkasten, Verlag J. Stekovics

2012: „Die Wäsche meiner Nachbarn“, Hrsg. R.Rauschhardt, Eigenverlag

2015: „Spaces“, Hrsg. Marina Gärtner, Deutscher Kunstverlag GmbH Berlin München

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