Geschichte des Freilichtmuseums Diesdorf

Dr. Georg Schulze (1866-1955)

Der von der Kirchengemeinde ca. 7 ha weitgehend ungenutzte Fläche am Ortsrand aufkaufte, dort einen verlandeten Klosterteich wieder ausgrub und einen Badeteich anlegte. Rasch entstand der Plan, daneben auch einen typisch altmärkischen Bauernhof zu errichten, in dem als Heimatmuseum Sachzeugnisse zur bäuerlichen Arbeits- und Lebenswelt der Altmark ausgestellt werden sollten. Der Landarzt Dr. Georg Schulze war auf Grund seiner humorvollen Volksnähe und seines sozialen Engagements bei der Bevölkerung ungemein populär und wurde bereits zu Lebzeiten respektvoll „Dr. Voader“ genannt.

Als erstes Gebäude konnte so schon 1912 das Backhaus umgesetzt werden, es folgte ein Speicher im Jahr darauf, bevor der weitere Ausbau durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurde.

Das angesammelte Kapital ging im Krieg und in den Inflationsjahren verloren, so dass erst 1927 ein niederdeutsches Hallenhaus als Hauptgebäude des neuen Museums erworben werden konnte. 1932 konnte das Diesdorfer Heimatmuseum schließlich eröffnet werden.

Die Kriegs- und Nachkriegszeiten überstand das Museum weitgehend unbeeinträchtigt. Die Gemeinde Diesdorf übernahm Museum und Badeanstalt und ließ 1951 auf dem Gelände ein Wohnhaus für den Hausmeister errichten, in dem auch ein Café für die Gäste untergebracht war.

1952 wurden Freibad und Museum schließlich getrennt: das Bad verblieb bei der Gemeinde Diesdorf, während das Heimatmuseum dem Kreis Salzwedel unterstellt wurde, der es dem Johann-Friedrich-Dannneil-Museum angliederte, das als Kreisheimatmuseum ebenfalls 1932 eröffnet worden war.

Peter Fischer beim Richtfest des Pferdestalls aus Eversdorf 1982

Dipl. Ethnograph Peter Fischer (1943-1996)

Dipl. Ethnograph Peter Fischer (1943-1996)

Unter seiner Leitung wuchs das Museum von drei auf 17 Gebäude an und die Besucherzahlen stiegen von 3.000 auf über 20.000 im Jahr. Zudem stellte Peter Fischer, der zwischen 1974 und 1977 noch ein Fernstudium der Ethnographie an der Berliner Humboldt-Universität absolvierte, die Museumsarbeit auf eine neue wissenschaftliche Grundlage. Als Hausforscher und Volkskundler legte er grundlegende Studien zur Bau- und Alltagsgeschichte der nordwestlichen Altmark vor.

Freilichtmuseum Diesdorf Werbeplakat alt

In seinem 1973 erstmals vorgelegten, bis in die 1990er Jahre mehrmals modifizierten Konzept zur Zukunft des Freilichtmuseums hatte er die Errichtung von insgesamt 36 Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, angeordnet zu neun Baugruppen vorgesehen. Hierzu wurden zahlreiche Gebäude für das Museum angekauft, abgebaut und auf dem Museumsgelände eingelagert.

Ausbau des Museums unter Peter Fischer, Aufnahme 1982

Peter Fischer gelang es nicht nur, Geld und Material für die Errichtung neuer Gebäude zu organisieren, auch das Museumspersonal wurde spürbar aufgestockt.

Neben Verwaltungs- und Kassenkräften wurden 1985 schließlich eigene Museumshandwerker sowie ein Agraringenieur angestellt. Noch 1989 wurde das Freilichtmuseum aus dem Verbund mit dem Danneil-Museum gelöst und wieder eigenständig.

Errichtung des „Dorfkruges“, Aufnahme 1992. Heute dient das repräsentative Gebäude u.a. als Haupteingang und Museumscafé.

Die politische Wende läutete auch für das Freilichtmuseum eine neue Epoche ein. Zahlreich strömten nun Gäste nicht nur aus dem benachbarten Niedersachsen ins altmärkische Museumsdorf.

Viele lang geplante Bauprojekte konnten verwirklicht werden, darunter die Errichtung des „Dorfkruges“ als Museumsgastronomie.

Winkelstedter Hallenhaus mit historischem Garten

Hinzu kommen fünf historische Gärten sowie Feldflächen, auf denen Getreide, Kartoffeln und Hopfen angebaut werden. Detailgetreu nachgestellte Werkstätten und Wohnräume vermitteln einen lebendigen Eindruck des Lebens früherer Generationen, hinzukommen thematische Ausstellungen, etwa zur Weberei und Flachsverarbeitung, zur Archäologie oder zur Geschichte des Böttcher- und Küferhandwerks. Im November 2015 übernahm Dr. Jochen Alexander Hofmann die Leitung des Freilichtmuseums.

Seit 1998 gehört das Freilichtmuseum Diesdorf gemeinsam mit dem Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel und der Langobardenwerkstatt Zethlingen zum Verbund der Museen des Altmarkkreises Salzwedel.

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