Archive des Alltags und Gestörte Idyllen

18.10.-27.12.2024
Fotografien von Ulrich Kalmbach
Ulrich Kalmbach leitet seit 1989 das Johann-Friedrich-Danneil-Museum in Salzwedel. In über 30 Jahren zeichnete er auch für eine Reihe von fotografischen Dokumentationsprojekten verantwortlich. Hierbei wurden auch immer wieder Situationen der Alltagskultur als zentrales Thema oder als Nebenergebnis festgehalten.
Dazu gehören die Situationsaufnahmen aus Städten und Dörfern mit ihren Infrastrukturen, die den alltäglichen Verrichtungen dienen. Das sind Kleinbauten wie Bushaltestellen oder Transformatorenhäuser oder Stadt- bzw. Dorfmöbel wie Bänke, Briefkästen, Feuermelder. Im Rahmen eines Langzeitprojektes zur Gedenkkultur entstanden auch Aufnahmen, die den Kleinkosmos von Friedhöfen widerspiegeln: Wasserstellen, Geräteständer, Eingangstore.
Die Ausstellung zeigt ebenso Landschaftsaufnahmen. Die Altmark wird mit Naturbelassenheit und Weite beworben. Sieht man genauer hin, zeigen sich jedoch Störungen in dieser Idylle. Die menschliche Verwertung mit ihren technischen Malen ist inzwischen fester Bestandteil: Stromleitungen queren Felder, moderne Windräder überragen die alten Wegmarken der mittelalterlichen Kirchen. Erdgassonden und Trassenmarkierungen zeugen von wirtschaftlicher Nutzung….
Salzwedeler Stadtansichten von Hermann Dietrichs und Hermann Schmidt

30.8.-29.9.2024
Kabinettausstellung in der Reihe „Bilder vom alten Salzwedel“
Jährlich zeigt das Danneil-Museum jeweils zum Tag des offenen Denkmals ausgewählte historische Ansichten der Stadt Salzwedel. Neben historischen Fotografien sind das auch immer wieder Arbeiten von Künstlern, die sich mit der Abbildung von Situationen in der alten Hansestadt beschäftigt hatten.
In der Sammlung des Johann-Friedrich-Danneil-Museums Salzwedel befindet sich ein Teil der künstlerischen Nachlässe von Hermann Dietrichs (1852-1893) und Hermann Schmidt (1819-1903). Beide waren in erster Linie Landschaftsmaler, die sich jedoch auch immer in einer Reihe von Arbeiten dem Stadtbild von Salzwedel gewidmet hatten.
Hermann Dietrichs wurde 1852 in Beetzendorf geborenen. Einige seiner Aquarelle zeigen Architektur-Ansichten von Salzwedel, wohin seine Familie 1867 verzogen war. Besonders beachtet wurde Hermann Dietrichs wegen dessen Illustrationen zu der 1883 erschienenen historischen Landschaftsbeschreibung „Bilder aus der Altmark“, in der auch Salzwedeler Ansichten enthalten sind.
Der Berliner Hofmaler Hermann Schmidt kam durch seine Heirat mit der Stadt Salzwedel in näheren Kontakt. Mehrere Skizzenbücher mit einer Vielzahl von Zeichnungen sind erhalten. Auch hier sind es jedoch vor allem Landschaften, die bei Reisen außerhalb der Altmark gezeichnet wurden. Hermann Schmidt näherte sich aber auch dem Stadtbild. Mehrere kleine Gemälde, die malerische Situationen am Pfefferteich und an der Katharinenkirche zeigen, zeugen davon.
StipendiatenART

8.8.-15.9.2024
Stipendiaten im Salzwedeler Künstler- und Stipendiatenhaus des Jahres 2023
Traditionell gibt das Danneil-Museum den bildenden Künstlern, die im Vorjahr als Stipendiaten in Salzwedel weilten, ein Podium für ihre Werke. Im Jahre 2023 waren das Christoph Liedtke aus Halle und Mario BieRende aus Weimar.
Mario BieRende zu seiner Arbeit „Weiße Schatten“: „Aufgrund persönlicher Erfahrung in der eigenen Familie habe ich mich während des Künstleraufenthaltes in Salzwedel mit dem Thema „Sternenkinder“ beschäftigt. Sternenkinder sind Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben sind. Der Begriff „Sternenkind“ ist mit der poetischen Vorstellung verbunden, dass das Kind, bevor es das Licht der Welt erblicken durfte, den Himmel erreicht hat.“
Christoph Liedtke zeigt seine Arbeit: „Wie der Schmetterling seine Flügelzeichnung stiehlt - Eine Hommage an die Dichterin Inger Christensen“. Christoph Liedtke widmete sich während seiner Künstlerresidenz in Salzwedel dem Langgedicht „alfabet“ von Inger Christensen. Dieses Gedicht erschien während des Kalten Krieges 1981 und ist ein Gedicht zu Ehren der Erde, ein Gedicht von Schöpfung und Vernichtung. Es spiegelt, formal entworfen nach der Fibonacci-Reihe und der Buchstabenabfolge des Alphabets, was die organische und chemische Welt im Inneren zusammenhält. Dabei spricht Inger Christensen selbst immer wieder über ihre eigenen Vorstellungen des Schreibens und der Sprache, welche untrennbar mit dem Leben verwoben aus ihm heraus entsteht. Christoph Liedtke, inspiriert von diesen Betrachtungen, macht sich diese Vorstellungen für seine eigene Kunst zu eigen und trägt sie in seine Malerei. Er selbst schreibt: „Wenn der Schmetterling seine Flügelzeichnung stiehlt, warum sollte ich weniger klug sein?“
Ein gut Theil Eigenheit

21.6.-18.8.2024
Lebenswege früher Archäologinnen
Von Anfang an wirkten Frauen an der deutschsprachigen archäologischen Forschung mit. Ihre Leistungen wurden von den Zeitgenossen anerkannt und hoch geschätzt. Über die Jahrzehnte jedoch gerieten diese frühen Archäologinnen und ihre Arbeiten in Vergessenheit. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen sind sie im Gedächtnis der Öffentlichkeit nicht mehr präsent. Die allgemeine Wahrnehmung ist: Archäologie ist männlich – sicher ist dieses Bild auch mit durch die Populärkultur geprägt.
Die Ausstellung hat sich zum Ziel gesetzt, Archäologinnen des 19. und 20. Jahrhunderts sichtbarer zu machen. So wie die Frauen damals eine Vorbildfunktion für heranwachsende Mädchen innehatten, können sie vielleicht auch heute junge Menschen inspirieren.
Wir haben für die Ausstellung neun archäologisch arbeitende Frauen aus dem 19. Bis 20. Jahrhundert, aus Ost- und Westdeutschland, aus Denkmalpflege, Museum und Forschung ausgewählt. Wir erzählen nicht nur von ihren archäologischen Leistungen und Karrieren, sondern auch von ihren Lebensgeschichten mit Höhen und Tiefen. So stehen diese Frauen beispielhaft für viele weitere Frauen in der Archäologie.
Rollup-Ausstellung
Echo der Elbauen

13.6.-28.7.2024
Arbeiten von Inken Hemsen
In dieser Ausstellung thematisiert Inken Hemsen die situative Lebendigkeit in Auenwiesen, Wäldern und Flüssen an unterschiedlichen Gebieten an der Elbe.
In subjektiven Kartografien, Fotogramm-Drahtreliefs, Objekten und Zeichnungen zeigt sie Verknüpfungen von momentanen Raumwahrnehmungen: die Ausdehnung von Geräuschen, Überschwemmungsphasen und Fliessbesonderheiten, Bewegungsmuster von Tieren und Pflanzen, in verändernden Lichtverhältnissen.
Arbeiten aus dem Gartenreich Dessau-Wörlitz, der Altmark, dem Wendland und dem Elbufer angrenzende Parklandschaften in Hamburg geben Einblicke in größere Zusammenhänge, sie gehen in Korrespondenz miteinander, so dass vielschichtige Fragmente von Widerhall entstehen, ursprüngliche und mögliche Mäander tauchen auf.