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Doppelkossatenhaus aus Klüden

 

 

Besucherorientierter Ausbau des Doppelkossatenhauses Klüden

Im Freilichtmuseum Diesdorf soll mit ELER-Mitteln über die Teilmaßnahme "Touristische Infrastruktur (FP 6315)" das Doppelkossatenhaus Klüden zu einem besucherorientierten „Haus zum Anfassen“ ausgebaut werden.

Das "Haus Klüden" steht seit 1996/97 als Rohbau im Freilichtmuseum Diesdorf. Es kann von Besuchern bisher nicht betreten und nur von außen besichtigt werden. Ziel ist, die ursprünglichen Bau- und Wohnstrukturen wiederherzustellen; dies soll jedoch im Rahmen des innovativen Ausstellungs- und Vermittlungskonzeptes „Haus zum Anfassen“ geschehen.

Das 1822 in Klüden (südliche Altmark) erbaute Gebäude wurde zu Beginn der 1990er Jahre durch den Altmarkkreis Salzwedel erworben, 1994/95 am Originalstandort abgebaut und ins Freilichtmuseum Diesdorf verbracht. Im Jahre 1997 war es mit Hilfe reisender Handwerksgesellen möglich, das Gebäude wieder zu errichten und das Dach mit Reet einzudecken. Danach gerieten die Arbeiten jedoch ins Stocken, der vorgesehene Ausbau der Innenräume erfolgte aufgrund fehlender Haushaltsmittel nicht mehr. So blieb das Doppelhaus bis heute ein Rohbau, der von Besuchern nicht betreten werden kann.

Die Entscheidung zur Übernahme des Gebäudes ins altmärkische Museumsdorf gründete sich seinerzeit auf mehrere Aspekte: Zum einen dokumentiert das Gebäude bauhistorisch die Ausbreitung des traufseitig erschlossenen „Ernhauses“ in der Altmark, und zwar in der sozialhistorisch äußerst interessanten Form eines Doppelhauses.

Errichtet und bewohnt wurde das Gebäude von Kossaten, die im Gegensatz zu den Ackerleuten nur wenig landwirtschaftliche Fläche bestellten, meist kein Großvieh hielten, dafür aber ein Handwerk betrieben. Es ist davon auszugehen, dass die kleinere Hälfte des Hauses als Altenteil genutzt wurde. Besonders bemerkenswert war zudem die noch vollständig erhaltene doppelte „Schwarze Küche“, bei welcher der Herd in einem fensterlosen Kaminraum stand, dessen Wände vom abziehenden Rauch geschwärzt wurden. Grundsätzlich ist es das Ziel, diese Bau- und Wohnstrukturen wiederherzustellen; dies soll jedoch im Rahmen des innovativen Ausstellungs- und Vermittlungskonzeptes „Haus zum Anfassen“ geschehen.

Im „Haus zum Anfassen“ soll die dargestellte Wohnsituation erfahr- und erlebbar gestaltet werden. Gilt in den übrigen Gebäuden das museale „Bitte nicht berühren!“, heißt es hier: „Bitte anfassen, benutzen und entdecken!“. Die Besucher dürfen sich in die Betten legen, auf die Stühle setzen, Truhen und Schubladen öffnen, am Tisch in der Stube eine karge Mahlzeit einnehmen etc.

Dieses Konzept wurde in anderen Freilichtmuseen (Detmold, Fladungen, Ballenberg (CH), Glentleiten) bereits erfolgreich implementiert. Es macht die Unterschiede des Alltagslebens früherer Generationen zu unserer digitalen Gegenwart unmittelbar deutlich; die Besucher können sich Wohn- und Wirtschaftssituationen nicht nur ansehen und erläutern lassen, sondern spielerisch in die Vergangenheit reisen.

Das „Haus zum Anfassen“ kann von den Besucher eigenständig genutzt werden, wobei didaktische Hilfsmittel (Fragespiele, hands-ons, Audioguide o.ä.) hilfreich zur Seite stehen, oder von living-history-Akteuren „bespielt“ werden, d.h. die mit zeitgenössischen Kostümen in „Bewohner“ des Hauses verwandelten sind anwesend und laden die Besucher in ihren „Alltag“ ein. Diese Form des Vermittlungs- und Erlebnisangebotes eignet sich v.a. für Museumsfeste und Aktionstage, zu denen hohe Besucherzahlen erwartet werden.

Eine solche Erweiterung des „Lebendige Geschichte“-Ansatzes, nach dem das Freilichtmuseum Diesdorf grundsätzlich arbeitet, ist nicht nur didaktisch von hoher Wirkung, es bereitet den Besuchern aller Altersgruppen auch großen Spaß und Freude und senkt so Hemm- und Verständnisschwellen für historische Strukturen und Zusammenhänge, d.h. ist ein Beitrag zur Besucherorientierung und Barrierefreiheit im Museum.

 „Zum Anfassen“ eingerichtet werden sollen Stube, Flur, Kammer, Küche und Speisekammer des linken Hausbereiches; hier soll auch die ursprünglich vorhandene zweite „Schwarze Küche“ rekonstruiert werden. Die Einrichtung mit Möbeln und Hausrat aus der Zeit um 1900 erfolgt aus den Beständen des Museums.

Die rechte Haushälfte (ehem. Altenteiler) soll hingegen für Werk- und Unterrichtsräume genutzt werden, in denen Projekte für Besuchergruppen, Schulklassen, VHS-Kurse etc. stattfinden können. Neben kreativen Mitmachangeboten zu den Museumsfesten und Unterrichtsprojekten für Kitas und Schulen, soll besonders die Ökopädagogik hier einen festen Ort erhalten. Sie wird seit einiger Zeit gezielt als neuer inhaltlicher Schwerpunkt des Museums aufgebaut; der als botanischer Schau- und Lehrgarten konzipierte „neue Pfarrgarten“ (fertiggestellt 2020) befindet sich in unmittelbarer Nähe.

 

 

 

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